Grand-Prix-Darling: Neue Tour

Ist die Zeit von Lena wirklich schon vorbei?

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Lena bei der Echo-Verleihung

Stuttgart - Lena Meyer-Landrut startet ihre zweite Tournee. Die Hallen sind kleiner als früher. Manche unken schon, dass ihre Zeit vorbei sei. Zeit, einmal genauer hinzusehen.

Vor drei Jahren versetzte sie erst die Nation in einen Lena-Rausch und verzauberte dann ganz Europa. Am Dienstag beginnt in Stuttgart die zweite Tour von Lena Meyer-Landrut und spätestens dann werden sie wieder aufkommen, die Artikel und Kommentare zum ehemaligen Fräuleinwunder. Man höre doch recht wenig von ihr, heißt es darin häufig. Sie übernehme sich und sei ungezogen in Interviews. Ohnehin sei die große Zeit der 21-Jährigen eigentlich bereits vorbei vorüber, so das Urteil. Zeit, einmal genauer hinzusehen.

13 Städte sind für die „No One Can Catch Us“-Tour angesetzt, die Hallen sind durchweg kleiner als bei der ersten Tournee 2011. Für einige Auftritte sind laut Lenas Webseite noch Abendkassen-Tickets zu haben, Offenbach und Lenas Heimatstadt Hannover sind hingegegen bereits ausverkauft.

Für die Sängerin selbst ist der Wechsel in Richtung Clubtour kein Grund zur Sorge. Es werde kleiner, gemütlicher und akustischer, hatte Lena kurz vor der Veröffentlichung ihres aktuellen Albums vor einem halben Jahr einen Ausblick gegeben. „Es wird irgendwie anders, weil ich das Große schon gemacht habe, mit Tänzerinnen und Riesenbühne und großem Tourbus. Und jetzt wird's so wie andere Leute anfangen - so mache ich jetzt weiter.“

Schon bei der ersten Tournee 2011 geisterte durch die Medien, dass die Auftritte ein Flop gewesen seien und dass die Hallen in den neun Städten der Tour stets halbleer waren. Auch, wenn das stimmen mag, so hat dies doch auch an der schieren Größe der Halle gelegen. Auf der Haben-Seite standen in Hannover 9000 Tickets, in Hamburg 7000 Karten und in Stuttgart 9000 verkaufte Plätze - Werte, bei denen viele andere Künster die Korken knallen lassen würden.

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Ein ähnliches Urteil gilt auch für das aktuelle Album „Stardust“ und die gleichnamige Single-Auskopplung. An Doppel-Platin für mehr als 600 000 Einheiten des Eurovisions-Siegers „Satellite“ oder über 500 000 verkaufte Alben vom Erstling „My Cassette Player“ kommt der aktuelle Erfolg nicht heran. Doch auch die beiden „Stardust“-Tonträger stehen laut Zahlen des Bundesverbands Musikindustrie bei Gold und damit mehr als 100 000 verkauften Einheiten, ein guter Erfolg für die spürbar weniger auf Kommerz getrimmten Stücke.

Wichtig für die junge Sängerin dürfte aber auch sein, dass der Stil des nunmehr dritten Albums bei vielen Kritikern gelobt wurde. Anklänge an die englische Pop-Avantgarde von Florence & The Machine wurden da entdeckt, ohnehin sei das von der Sängerin selbst stark mitentwickelte Album gut gelungen, hieß es in vielen Kritiken. „Der logische Entwicklungsschritt, bei dem viele "gemachte" Newcomer in der Vergangenheit schon ins Stolpern gerieten, funktioniert bei der Niedersächsin erstaunlich gut“, schrieb beispielsweise das auch in Indie-Kreisen renommierte Portal laut.de.

Die Freude über den Echo für den düsteren und beinahe experimentellen „Stardust“-Clip als „Bestes Video National“ vor gut einer Woche stand Lena dann auch beim Stammeln der Siegesrede ins Gesicht geschrieben. „Das bedeutet mir so viel“, lautete ihr ergriffener Kommentar, ist der per Online-Abstimmung vergebene Preis doch ein Beweis für eine immer noch intakte Fanbasis. Bei rund 100 000 abgegebenen Stimmen setzte sich Meyer-Landrut gegen Web-Phänomene wie den Rapper Cro oder Alt-Recken wie die Toten Hosen durch.

Bleibt also eine Künstlerin, die ihren Frieden damit gemacht hat, dass es nicht ewig so weitergehen konnte, wie nach dem Song Contest. „Es gibt soviele Meinungen und Aussprüche gegen einen - und auch für einen“, sagte Lena. Man dürfe dies schlicht nicht übermäßig an sich heranlassen. „Wenn ich mich gut fühle und es gut läuft, warum soll man sich dann von soviel schlechter Energie so beeinflussen lassen?“

dpa

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