Königshaus in der Krise

Juan Carlos' Schwiegersohn vor Gericht

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Iñaki Urdangarín (re.), Schwiegersohn von Spaniens König Juan Carlos, steht vor Gericht.

Madrid - Zuerst zieht Spaniens Monarch Juan Carlos mit einer Elefantenjagd den Zorn seiner Untertanen auf sich. Jetzt macht ein Korruptionsskandal um seinen Schwiegersohn dem Palast zu schaffen.

Als der spanische König Juan Carlos jüngst zu einem Basketballspiel erschien, wurde er von den Tausenden anwesenden Untertanen nicht mit Jubelrufen empfangen. Er wurde ausgepfiffen. Einen solchen Empfang war der 75-jährige Monarch nicht gewohnt. In den knapp vier Jahrzehnten seiner Regentschaft hatte ihm sein Volk viel Respekt und Zuneigung entgegen gebracht. Doch damit scheint nun Schluss.

Im vergangenen Jahr geriet Juan Carlos in die Kritik, als er in Afrika an einer Elefantenjagd teilnahm. Der umstrittene Luxusurlaub kam ans Licht, nachdem sich der König in Botsuana bei einem Sturz die Hüfte gebrochen hatte. Dass der Monarch an einer luxuriösen Safari teilgenommen hatte, während seine Untertanen zu Hause unter einer schweren Wirtschaftskrise leiden, kam alles andere als gut an.

Auf den Skandal um die Elefantenjagd folgte in Spanien bald die nächste royale Affäre. Der 45-jährige Schwiegersohn des Königs, Iñaki Urdangarín, soll gemeinsam mit einem ehemaligen Geschäftspartner mehrere Millionen Euro öffentliche Mittel an eigene Firmen umgeleitet haben. Wegen des Vorwurfs der Veruntreuung musste Urdangarín am Samstag erneut vor Gericht erscheinen. Im Falle einer Anklage droht ein langer Prozess.

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Für den gesundheitlich angeschlagenen König Juan Carlos dürfte der Reputationsverlust in der eigenen Gesellschaft besonders schwer zu verkraften sein, meint Tom Burns Maranon, der mehrere Bücher über den spanischen Monarchen verfasst hat. In Spanien „gibt es keine tiefsitzende Bewunderung für die Monarchie als Institution, wie sie im Vereinigten Königreich oder den Niederlanden zu beobachten ist.“ Stattdessen gehe es dort um persönliche Loyalität gegenüber dem König, sagt Maranon. Wenn das Ansehen des Königs zur Talfahrt ansetze, gerate der König in eine „unangenehme Position“.

In Spanien schien die Beliebtheit des Königs die Monarchie aufrechtzuerhalten. Das als „Juancarlismus“ bekannte Phänomen verliert aber an Kraft. In einer im Januar veröffentlichten Umfrage zeigte sich nur noch rund die Hälfte der spanischen Bevölkerung mit ihrem König zufrieden. Vor einem Jahr waren es fast 75 Prozent.

Ernsthafte Bemühungen um eine Abschaffung der spanischen Monarchie gibt es nicht. Bislang hat lediglich der Vorsitzende der katalanischen Sozialisten Juan Carlos öffentlich aufgefordert, auf den Thron zu verzichten. Wie am Freitag aus Kreisen des spanischen Palasts verlautete, denkt der König derzeit aber nicht daran, zu Gunsten seines Sohnes, Kronprinz Felipe, vorzeitig abzudanken.

ap

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