Strafanzeige gegen Bully Herbig

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So sollte die neue „Einheitskleidung“ für die Walchenseer im „Wickie-Land“ ausschauen. Ein Ehrenamtlicher des Segelclubs fand den Fernseh-Scherz am Freitag aber alles andere als lustig.

Walchensee - Für die Sendung „Verstehen Sie Spaß“ hat Regisseur Michael „Bully“ Herbig die Bewohner von Walchensee (Oberbayern) veräppelt. Alle fanden es lustig - einer nicht, und erstattete Anzeige.  

Extra:

Von der Veranstaltung gibt es mehrere Videos.

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Der in München lebende zweite Vorsitzende des Segelclubs Walchensee (SCLW) Dr. Hjalmar Heinenwar am Freitag im Gasthaus Edeltraut mit der Absicht, ernsthaft über die Zusammenarbeit zwischen Filmfirma und örtlichen Vereinen zu diskutieren. Jetzt fühlt er sich als „Opfer einer verbrecherischen Sendung“, spricht von „Freiheitsberaubung und Nötigung“ und fürchtet, dass Walchensee als „der dümmste Ort Deutschlands“ da steht.

Darum ging es:

Angekündigt war es als Podiumsdiskussion, doch dann entpuppte es sich als Jux von „Verstehen Sie Spaß“. Filmemacher Michael Bully Herbig erklärte in Walchensee einem breiten Publikum, wie man den Drehort für „Wickie und die starken Männer“ besser vermarkten könnte. “Wickie-Land„ solle Disneyland übertrumpfen und jährlich 600.000 Übernachtungsgäste bringen. Die Behörden hätten bereits einen künstlichen Fjord, Drachenboot-Exkursionen und eine Wikinger-Sommerrodelbahn genehmigt. Die Walchenseer schmunzelten bald. Spätestens als Frank Elstner als Investor für das 450-Millionen-Euro-Projekt auf die Bühne sprang, war das Gejohle im Saal des Gasthofs groß. Bürgermeister Thomas Holz: “Ich fand´s gigantisch.„ Sendetermin: 26.9.2009, 20.15, ARD.

Der Ärger über den Ablauf des Abends sitzt bei Heinen noch tief. „Die Sendung ,Verstehen Sie Spaß‘ zeigt für mich immer Straftaten von Täuschung, Nötigung, Freiheitsberaubung, teilweise Körperverletzung und sonstigem groben Unfug“, schreibt Heinen in einem Brief an unsere Redaktion. „Sie ist für mich ein Verbrechen. Leider wurde ich Opfer dieses Verbrechens wie fast der ganze Ort Walchensee.“
Als Konsequenz hat Heinen nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen Bully Herbig, den Bayerischen Rundfunk und den mitproduzierenden Südwestrundfunk (SWR) gestellt. Die Staatsanwaltschaft München prüfte derzeit den Eingang der Anzeige.
Heinens Ärger geht aber noch weiter: Er wolle nach diesem „Verbrechen“ nichts mehr mit Walchensee zu tun haben, lege sein Amt als zweiter Vorsitzender nieder und trete aus dem Verein aus.
Hans-Otto Frisch, Erster Vorsitzender des Vereins, zeigte sich gestern überrascht vom drastischen Vorgehen seines Segelkameraden. „Ich finde es sehr schade, weil er seit vielen Jahren ein verlässlicher und angenehmer Partner ist."

Auch Bürgermeister Thomas Holz war von der heftigen Reaktion überrascht. „Ganz Walchensee hat den Scherz verstanden.“ Die Gäste der angekündigten „Diskussionsrunde“ hätten schon nach sehr kurzer Zeit auch aufgrund des Moderationsstils von Herbig gemerkt, dass es sich um einen Spaß handle. „Der Abend war gelungen, und wir werden uns noch lange daran erinnern.“

Genau der gleichen Meinung ist auch Rainer Appel aus Walchensee. „Bereits beim ersten Bild der aufwändigen Präsentation durch zwei ,Architekten‘ konnte man uns Walchenseer nicht mehr davon überzeugen, es anders zu verstehen als einem vergnüglichen, gelungenen Comedy-Abend beizuwohnen.“ Herbig habe sogar wiederholt gebeten, ihn ernst zu nehmen. „Sollten Frank Elstner und Bully Herbig damit gerechnet haben, tumultartiges Entsetzen einer tumben Dorfbevölkerung zeigen zu können, sahen sie sich schnell getäuscht. Wir Walchenseer besitzen Humor und können auch über uns selber lachen.“

Von Christiane Mühlbauer

Quelle: www.merkur-online.de

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