Nordhessische Landkreise wollen gemeinsam ein eigenes Glasfasernetz bauen

Bis 2015 Internet für alle

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Wer ins Netz will, muss im ländlichen Raum erfinderisch sein. In Rodebach ist der Friedhof ein guter Platz zum Surfen.

Werra-Meissner. Mit Zurückhaltung und Skepsis reagieren die Kommunen des Werra-Meißner-Kreises auf einen neuen Vorstoß zur Schaffung eines flächendeckenden Ausbau des Breitbandnetzes auf Glasfaserbasis. Da sich unter anderem auf Grund der geringen Bevölkerungsdichte kein privates Kommunikationsunternehmen bereitfindet, in den ländlichen Regionen im großen Stil zu investieren, sollen nun die Kommunen der fünf nordhessischen Landkreise selbst unter dem Dach einer gemeinsamen Infrastrukturgesellschaft tätig werden.

Das ist das Ergebnis der Studie (NGA-Cluster Nordhessen), die das Regionalmanagement Nordhessen in Auftrag gegeben hatte. Um den Versorgungsengpass mit schnellem Internet schnellstmöglich zu beheben, soll ein Versorgungsnetz auf Glasfaserbasis in Nordhessen gebaut werden, das eine Breitbandversorgung von mindestens 25 Mbit/s sicherstellen kann. Allerdings würden die Glasfaserkabel in den einzelnen Gemeinden an den Verteilerkästen enden. Für die Hausanschlüsse würden die üblichen Kupferkabel verlegt werden.

Voraussetzung für das Vorhaben ist, dass alle Kommunen der fünf nordhessischen Kreise mit im Boot sind. Die Landkreise sollen einen Eigenkapitalanteil von 15 bis 20 Prozent in die Gesellschaft leisten, was für den WMK 4,5 bis sechs Millionen Euro wären. Laut der Studie hätte sich das Projekt nach zirka 20 Jahren amortisiert.

Jetzt sind die Kommunen aufgefordert, sich bis zum 20. November gegenüber dem Landkreis, der das Projekt für die Gemeinden koordiniert, zu positionieren. Die Gemeindevertreter Weißenborns beispielsweise legten große Zurückhaltung dieser Forderung gegenüber an den Tag. Sie sind grundsätzlich zu einer Teilnahme bereit, eine Beteiligung an dem Projekt würde aber bedeuten, dass die Gemeinde eine Bürgschaft über rund 50 000 Euro leisten müsste. Das, so die Vertreter, könnten sie nicht ohne weitere Informationen unterschreiben. Zudem habe man nach zähem Ringen gerade erst mit der Netcom Kassel gute Erfolge via Funk erzielt. Jetzt auf Glasfaser umzusatteln, wäre herausgeschmissenes Geld.

Auch die Gemeinde Meißner hat einen verbindlichen Beschluss zurückgestellt. Zwar sieht sie hier die Chance, den Wohn- und Wirtschaftsstandort damit zu stärken, hat aber Bedenken, ob das Projekt angesichts der technischen Entwicklung im Mobilfunkbereich noch zeitgemäß ist.

Von Stefanie Salzmann

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