2,7 Prozent der Einwohner betroffen

2690 Menschen werden im Kreis rechtlich betreut

Werra-Meißner. 2690 Menschen stehen im Kreis unter rechtlicher Betreuung. Das sind 2,7 Prozent der rund 100 000 Einwohner. Der Hessenschnitt liegt nur bei 1,55 Prozent.

„Die Zahlen stagnieren hier auf hohem Niveau“, sagt Amtsgerichtsdirektor Dr. Alexander Wachter. Vor fünf Jahren waren es gerade einmal 14 Personen weniger. Seines Wissens nach hätten die meisten anderen Landkreise im Verhältnis zur Bevölkerung geringere Werte.

„Viele sagen, dass das mit dem demographischen Wandel und der Überalterung in unserer Region zu tun hat“, sagt Wachter. Senioren seien häufiger als junge Menschen davon betroffen, wegen psychischer oder körperlicher Einschränkungen keine rechtsgültigen Verträge mehr abschließen oder Entscheidungen treffen zu können. Doch das sei nicht der alleinige Grund für den überdurchschnittlichen Wert. „Das Klientel der hier rechtlich Betreuten wird jünger“, sagt Wachter. Warum? „Weil es hier viele wachsende Einrichtungen gibt, die kranken Menschen eine Perspektive bieten und sie dadurch anziehen – natürlich im positiven Sinne.“

Als Beispiele nennt Wachter die Werraland-Werkstätten und Aufwind, einen Verein für seelische Gesundheit. Mit einer Strukturschwäche habe die hohe Zahl der betreuten Menschen nichts zu tun. Im Amtsgericht sind für die Betreuungsarbeit 2,3 Richter- und 3,15 Rechtspflegerstellen vorgesehen. „Wir betrachten das als einen wichtigen Aufgabereich“, sagt Wachter. Er denkt dabei an Menschen, die nach einem Unfall nicht mehr sprechen und entscheiden können, aber noch keine Vorsorge getroffen haben. „Solche Angelegenheiten eilen, es geht dabei um persönliche Schicksale.“

Vorsorge für Geld und Gesundheit

Die rechtliche Betreuung betrifft laut Sozialministerium Erwachsene, die wegen einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung ihre Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht regeln können. Das betrifft mehr als 95 000 Hessen. 

Betreuer vertreten diese Menschen in einem vom Gericht festgelegten Bereich – zum Beispiel bei der Aufenthaltsbestimmung, Vermögensverwaltung oder Gesundheitsfürsorge. Einzelne, mehrere oder alle Aufgaben können übertragen werden. Das Amtsgericht bestellt den Betreuer. Schlägt der Betroffene selbst einen geeigneten Vormund vor, ist das Gericht daran gebunden.

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