Eschweger besaß Reisebüro in Innenstadt

Paar um 74.000 Euro betrogen: Drei Jahre Haft

Eschwege. Die Haltung des ehemaligen Reisebüroleiters aus Eschwege blieb regungslos, als der Richter das Urteil verkündete: Drei Jahre Haft für den 49-jährigen, weil der im Frühjahr des vergangenen Jahres einem Ehepaar eine Reise für 74.000 Euro verkauft, das Geld aber selbst verwendet hatte.

Lediglich die nicht still haltenden Finger verrieten, dass der Angeklagte den Prozess wachsam verfolgte. Gleich zu Beginn legte er ein Geständnis ab: „Ich habe es gemacht.“ Die Gründe dafür seien vielfältig gewesen: Bereits bestehende Schulden lasteten auf dem Gewissen, hinzu kamen Krankheiten und die Erkenntnis, bald aus dem Haus ausziehen zu müssen. „Da habe ich keine andere Chance gesehen“, sagt er vor dem Richter aus. Als das Eschweger Ehepaar ihre Reise im März 2014 mit 50.000 Euro in bar anzahlte, behielt der 49-jährige Familienvater diese – ebenso wie die restlichen gut 14.000 Euro, die kurze Zeit später auf sein Konto überwiesen wurden.

Bezahlt habe er mit einem Teil des Geldes Gläubiger, zudem wurden 15.000 Euro für einen Hauskauf angezahlt. „Ich wollte meiner Familie ein Dach über dem Kopf bieten.“

Doch nur wenige Wochen später flog der Schwindel auf: Weil das Eschweger Ehepaar keine Reisebestätigung vom Veranstalter bekommen hatte, wollten sie die Reise stornieren, forderten ihr Geld zurück. Von den 74.000 Euro waren jedoch nur noch 26.000 Euro übrig. Auf das restliche Geld wartet das Ehepaar, das dem Prozess nicht beiwohnte, noch heute.

Dass der Richter den 49-Jährigen wegen Betrugs und nicht wegen Unterschlagung verurteilt hat, begründete er mit der Vergangenheit des Angeklagten. Weil der schon mehrfach wegen Betrugs und Veruntreuung verurteilt worden ist, sei davon auszugehen, dass er die Tat vorsätzlich und nicht aus einem Impuls heraus verübt habe. Für einen Vorsatz spreche auch, dass der Angeklagte gar nicht bemächtigt war, das Geld einzukassieren – stattdessen hätte das direkt an den Reiseveranstalter überwiesen werden müssen.

Von Constanze Wüstefeld

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