An Tochter und Schwiegertochter vergangen

64-jähriger Vergewaltiger muss drei Jahre in Haft

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Kassel / Werra-Meißner. Weil er seine Tochter vergewaltigt und sich an seiner Schwiegertochter vergangen hat, muss ein heute 64-Jähriger aus dem Werra-Meißner-Kreis für drei Jahre und zehn Monate in Haft.

Im September 2003 hatte der Ehemann beim Besuch seines Schwiegervaters in Ratingen den Platz im Ehebett geräumt. Der damals 53-jährige, von Rückenproblemen geplagte Frührentner, sollte bequemer schlafen können. Doch dieser nutzte die Gelegenheit und vergewaltigte seine damals 29-jährige Tochter. Gestern verurteilte die 1. Strafkammer des Landgerichts Kassel den Mann aus dem Werra-Meißner-Kreis zu drei Jahren und zehn Monaten Haft wegen Vergewaltigung in zwei Fällen und einer sexuellen Nötigung. Auch an einer heute 33-jährigen Schwiegertochter hatte er sich 2008 auf einem Parkplatz bei Aachen sexuell vergangen. Beides gestand der heute 64-Jährige.

Dass er damit den Frauen Aussagen zum Tathergang ersparte, wertete das Gericht strafmildernd. Im Vertrauen auf einen Strafrahmen, den Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung im Vorfeld abgesteckt hatten, hatte der Angeklagte sich durchgerungen, die Taten zu bekennen. Seit Mitte des Jahres saß er in der Justizvollzugsanstalt Kassel-Wehlheiden in Untersuchungshaft - und hatte stets geleugnet.

Gestern nun räumte der verheiratete Mann auch eine sexuelle Nötigung der Freundin eines anderen Sohnes ein. Die 40-jährige Frau berichtete von erheblichen psychischen Folgen, Albträumen, Schlafstörungen, Ängsten und Vertrauensverlust seit dem Übergriff. Der frühere Hilfsarbeiter, Vater von sieben Kindern aus verschiedenen Beziehungen, hatte ihr Ende 2013 einen Zungenkuss aufgezwungen. Die Frau konnte fliehen, bevor mehr passierte. Seit den 60er Jahren, als er erstmals wegen schweren Diebstahls zu Jugendarrest verurteilt wurde, stand der gebürtige Rheinländer mehr als ein Dutzend Mal vor Gericht - wegen schweren Raubs, Diebstahl und mehrfach wegen Steuerhinterziehung. Im Mai 2005 war er vom Amtsgericht Eschwege zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden, weil er die Freundin eines weiteren Sohnes in seiner Wohnung vergewaltigt hatte. Deshalb sei er eigentlich bei den Taten 2008 und 2013 bereits einschlägig vorbestraft gewesen, so die Staatsanwältin.

Weil eine Stieftochter des Mannes ein ähnliches Delikt angezeigt hatte, aber später zurücknahm, waren die jetzt verurteilten Fälle nach Jahren des Schweigens zur Sprache gekommen. Sie habe nach der Vergewaltigung ihre Wohnung gewechselt, ihre Telefonnummer geändert und fühle sich bis heute bedroht von ihrem „Erzeuger“, sagte die heute 40-jährige Tochter aus Ratingen.

Der Angeklagte selbst zeigte sich vor Gericht reumütig. Weil aus Sicht des Gerichts keine Fluchtgefahr bestehe und er familiär eingebunden sei, wurde der Verurteilte zunächst auf freien Fuß gesetzt. (and)

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