71-Jähriger verprügelte seine bettlägerige Ehefrau: Sechs Monate auf Bewährung

Mit der Pflege überfordert

Eschwege. Wegen der „Misshandlung von Schutzbefohlenen“, wie es im Paragrafen 225 des Strafgesetzbuches heißt, hat das Amtsgericht Eschwege gestern einen 71 Jahre alten türkischen Staatsangehörigen aus Witzenhausen zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, verurteilt.

Nach zweieinhalbstündiger Verhandlung sah es Richterin Schmidt als erwiesen an, dass der Angeklagte über einen Zeitraum von gut sechs Monaten seine nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmte, sprachunfähige und bettlägerige Ehefrau (64) in mehreren Fällen derart heftig verprügelt hatte, dass sie unter starken Schmerzen an Rücken, Hüfte, Oberschenkel und Oberarm und zum Teil an handflächengroßen Blutergüssen litt.

Einmütig stuften Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht die Taten als „minderschweren Fall“ ein, weil der Mann mit der häuslichen Situation und insbesondere der Pflege seiner inkontinenten Frau „völlig überfordert“ gewesen sei. Bis zuletzt hatte der Angeklagte bestritten, in seiner 48-jährigen Partnerschaft jemals die Hand gegen seine Frau erhoben zu haben, zu deren Betreuer er unmittelbar nach dem Schlaganfall vor drei Jahren durch das Vormundschaftsgericht eingesetzt worden war. Die Verletzungen erklärte er damit, dass er seine Frau beim Waschen und Ankleiden im Bett habe bewegen müssen. Absichtlich habe er ihr kein Leid zugefügt.

Blaue Flecke fielen auf

Aufgeflogen war die ganze Sache Ende Januar, als routinemäßig eine Pflegekraft ins Haus kam, um der Frau eine Insulin-Spritze zu setzen. Dabei entdeckte eine als Zeugin geladene Krankenschwester einen frischen und relativ großen Bluterguss auf dem Rücken der Patientin. Noch am selben Tag rückten Polizei und Rettungswagen an und brachten die Frau ins Krankenhaus. Eine Polizeioberkommissarin sagte aus, der Gestik der Frau habe sie eindeutig entnehmen können, dass die Blutergüsse von Schlägen ihres Mannes herrührten. Außerdem habe die Patientin deutliche Signale der Erleichterung gezeigt, dass ihr Martyrium nun zu Ende sei.

Ein medizinischer und zugleich juristischer Sachverständiger gab zu Protokoll, dass die Spuren der Misshandlung zweifelsfrei von irgendwelchen „Werkzeugen“ stammten. Welche das gewesen sein könnten, konnte der Prozess nicht klären.

Während die Frau inzwischen in einem Pflegeheim untergebracht ist, will ihr Mann, der seit über 40 Jahren in Deutschland lebt, aber dennoch nur Türkisch spricht, nun zurück in sein Heimatland. (zcc)

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