Abiturient Paul Hartmann entwickelt Stadtrundgang durch Eschwege fürs Smartphone

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Talentierter Abiturient: Paul Hartmann hat als Abi-Arbeit eine multimediale Stadtführung über 20 Stationen erstellt. Dafür hat er zehn Schauspieler und 50 Komparsen eingesetzt und 500 Stunden Arbeit investiert.

Eschwege. Der Eschweger Paul Hartmann hat ein multimediales Projekt zur Geschichte Eschweges im Nationalsozialismusfür seine Abi-Arbeit entwickelt. Herausgekommen ist ein virtueller Stadtrundgang.

„Ich wollte nicht etwas tun, weil man es tun muss, sondern etwas selber gestalten und kreativ werden“, sagt Paul Hartmann.

Die Motivation

Das Ergebnis: ein interaktiver Stadtrundgang, der vom PC oder von mobilen Endgeräten abrufbar ist. Er soll junge Menschen durch seine zeitgemäße Form dazu anregen, die Geschichte ihrer Heimatstadt zu erforschen. Paul Hartmann hat das Projekt etwa ein Jahr lang entwickelt und im Rahmen seiner Abiturprüfung als besondere Lernleistung eingebracht. Dass ihm dies in beeindruckender Weise gelungen ist, bestätigte jüngst der Kasseler Historiker Dr. Dietfrid Krause-Vilmar.

Die Idee

Hartmanns Idee: Die Ereignisse der Vergangenheit werden erschlossen durch eine Person, die die Nutzer an die Hand nimmt und mit ihnen gemeinsam verschiedene Orte der Stadt aufsucht. Hartmann entschied sich, diese Schlüsselrolle nicht von einer fiktiven Figur wahrnehmen zu lassen, sondern von dem ehemaligen jüdischen Mitbürger Karl Goldschmidt. Dieser wurde 1921 in Eschwege geboren, besuchte die Friedrich-Wilhelm-Schule und emigrierte 1939 in die USA.

Die Umsetzung

Sebastian Perels vom Jungen Theater Eschwege schlüpfte in die Rolle Goldschmidts. Andere Mitglieder des Jungen Theaters stellten einzelne Ereignisse szenisch nach. So entstanden Spielszenen, die mit Dokumentarfilmen, Fotos, Historikerzitaten, weiteren Quellen und weiterführenden Links verknüpft wurden. Ein wichtiger Bestandteil der besonderen Lernleistung war es auch, darüber zu informieren, wie in Eschwege die NS-Vergangenheit aufgearbeitet wurde: Paul Hartmann ruft in seinem Projekt den Besuch der ehemaligen jüdischen Mitbürger ins Gedächtnis.

Die Zukunft

In der Innenstadt Eschweges sollen Hinweise auf den multimedialen Stadtrundgang angebracht werden, sodass er von Touristen und Einheimischen genutzt werden kann. Paul Hartmann wünscht sich, dass viele Klassen und Kurse diese zeitgemäße Form der Geschichtsvermittlung nutzen werden. (esp)

Von Ulrike Arnold

Hier geht es zu dem virtuellen Stadtrundgang

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