Achterbahn der Gefühle

Manfred Zindel nimmt Abschied von Beruflichen Schulen

Geht in den Ruhestand: Oberstudiendirektor Manfred Zindel. Der Leiter der Beruflichen Schulen in Eschwege wird verabschiedet. Foto: Sagawe

Eschwege. Manfred Zindel pflegt mitunter unkonventionelle Lehrmethoden. Bei Klassenarbeiten sind grundsätzlich sämtliche Hilfsmittel erlaubt.

„Meine Schüler dürfen ihr Smartphone nutzen und im Internet recherchieren“, sagt er. Besser ausfallen würden die Arbeiten deswegen längst nicht. „Wenn die Schüler nicht mit den Hilfsmitteln umzugehen wissen, bringt ihnen das nämlich nichts.“ Er versuche Kompetenzen zu vermitteln. Und dazu gehöre auch, aus einer Masse von Informationen die richtigen Fakten für eine korrekte Antwort herauszufiltern.

Am Donnerstagnachmittag wird Manfred Zindel verabschiedet. Die Dienstzeit des Oberstudiendirektors als Leiter der Beruflichen Schulen in Eschwege dauert offiziell noch bis zum Ende des Monats. „Seit einem halben Jahr ist das eine Achterbahn der Gefühle“, sagt der Pädagoge über den nahenden Ruhestand. Bei Zindel hört sich das fast so an, als wäre die bevorstehende Pensionierung etwas Bedrohliches. „Das war mein Leben“, sagt er über die endende Epoche, „ich ziehe eine sehr sehr positive Bilanz.“

Seit 40 Jahren unterrichtet Zindel an den Beruflichen Schulen in Eschwege, seit 23 Jahren leitet er die Einrichtung. Zindel: „Das waren nicht 40 Jahre nur Spaß, aber ich habe das Gefühl, dass es die richtige Entscheidung war, Lehrer zu werden; es war eine wunderbare Zeit, und jetzt ist der Zeitpunkt zu gehen.“ Das Verhältnis zu seinen Schülern beschreibt der 65-Jährige als „entspannt“. Seine Tür habe stets offen gestanden. „Ich habe viel Achtung erfahren, obwohl ich nicht immer ganz einfach bin“, sagt er, „Autorität muss aus Respekt kommen.“

Gute Leistungen müssten nach Zindels Selbstverständnis bei Lehrern auch mit der Bezahlung honoriert werden. „Der gute Lehrer, der sich reinkniet, spürt zwar die Anerkennung, aber am Ende bekommen alle A13.“ Es sind die grundsätzlichen Dinge im Schulalltag, die den Pädagogen beschäftigen. Er beobachte eine inflationäre Entwicklung der höheren Bildungsabschlüsse, sagt er und fragt: „Ist denn unser IQ in gleichem Maß gestiegen?“ Auf die Frage nach einer grundlegenden Bildungsreform antwortet Manfred Zindel: „Wir müssen entrümpeln.“

Und wie geht es im Ruhestand weiter? „Ich bin mir bewusst, dass die erste Zeit von Wehmut begleitet sein wird“, sagt er. „Aber ich werde mich auch nicht mehr mit Dingen belasten müssen, die ich ändern will, aber nicht ändern kann.“ Er sei nie bereit gewesen, still zu stehen. Manchmal habe er sich dabei vielleicht zu weit nach vorn gewagt und zu hohe Erwartungen gehabt, stellt er selbstkritisch fest. „Aber ich habe noch immer Visionen.“

Von Harald Sagawe

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