Erinnerungen von Hans Gold, der vor 50 Jahren am Meißnertreffen teilnahm

Mit Affen und Hordentopf

Zeltplatz auf der Hausener Hute: Hier schlugen die Pfadfinder ihre Kohten auf. Rechts im Bild: Hans Gold als 18-Jähriger, links ein Stammesmitglied.

Hoher Meißner. Das Meißnertreffen im Oktober 1963 war das erste große Zeltlager von Pfadfinderbünden, Wandervögeln und sonstigen bündischen Jugendverbänden auf dem Hohen Meißner. Gleichzeitig war es das erste große Treffen der Jugendverbände in West-Deutschland. Von unserem Stamm Berglöwe aus Fürstenhagen nahmen zwölf Pfadfinder teil. Für uns war es eine Selbstverständlichkeit, auch wegen der Nähe, dabei zu sein.

Mit vollgepackten Rucksäcken und Affen (Felltornister), Hordentopf, Zeltmaterial und Gitarre zogen wir auf den Hohen Meißner. Auf dem Zeltplatz auf der Hausener Hute schlugen wir unsere beiden Kohten auf – Jurten waren damals noch eine Seltenheit. Während des Zeltlagers stellten wir unsere Gruppenarbeit den Besuchern vor, ebenso unser bündisches Liedgut, bestehend aus Straßen-, Landsknechts- und Reiterliedern. Vor den Mahlzeiten sprach ein Sippenmitglied einen Tischspruch, der immer wie folgt endete: „Es esse ein jeder, was er kann, alle Mann ran.“ Das „ran“ wurde laut gebrüllt.

In Erinnerung geblieben ist uns allen die große Schlussveranstaltung am Südhang des Meißners. Über den Hang verlief damals noch die Seilbahn mit den Loren, die die Meißnerkohle zum Kohlenverladebunker nach Walburg beförderte.

Alle Gruppen brachten zur Schlussveranstaltung ihre Bundesbanner, Sippenwimpel und Musikinstrumente mit, es bot sich ein buntes Fahnenmeer. Unter den Teilnehmern waren auch große Persönlichkeiten wie Knud Ahlborn (1888 bis 1977). Das bunte Bild auf dem Hang am Hohen Meißner wurde ergänzt durch die unterschiedlichste Kluft der Pfadfinderbünde und Jugendverbände. Unsere Pfadfinderkluft war damals sehr schlicht und einfach: Pfadfinderhemd mit Lilie, Halstuch mit Knoten, Kohtenbluse, Keilhose und weiße Socken.

Zur Schlussveranstaltung im Jahr 1963 trugen wir vom Stamm Berglöwe das blau-gelbe Halstuch. Als äußeres Zeichen für die Zuordnung wurde auf dem Halstuchring noch ein Metallschild befestigt mit dem abstrakten Zeichen des ziehenden Kranichs.

Von der ideologischen Auseinandersetzung, die während des Meißnerlagers 1963 im nahegelegenen Göttingen und Bad Sooden-Allendorf stattfand, bekamen wir Pfadfinder wenig mit. Für uns war die Meißnerformel aus dem Jahr 1913 Ansporn für die Teilnahme. Daneben orientierten wir uns an den Grundsätzen Baden-Powells, dem Gründer der Pfadfinderbewegung: auf Fahrt gehen, Sippenstunden abhalten, Entfaltung der Persönlichkeit und Förderung jedes einzelnen Pfadfinders. (nh)

Von Hans Gold

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