Alt, krank – und gefährlich

Besitzerin von 13-jähriger Schäferhündin Lisa wehrt sich gegen Einstufung

Ist als gefährlich eingestuft worden: Lisa. Die heute 13-jährige Hündin hat vor vier Jahren einen anderen Hund gebissen, seitdem gilt sie als gefährlich. Die Besitzer wehren sich gegen diese Einstufung, ein Wesenstest belegt, dass Lisa nicht aggressiv ist. Foto: privat

Eschwege. Lisa ist 13 Jahre alt, hat eine stattliche Körperfülle sowie Arthrose – und ist gefährlich. Das zumindest urteilte eine Richterin 2012 über den Schäferhund, der sich laut seiner Besitzerin aus Eschwege am liebsten auf den Boden legt, um seine Beine zu schonen.

Dennoch muss das Tier einen Maulkorb tragen, das Grundstück der Eschwegerin muss so gesichert werden, dass das Tier niemandem was antun kann. „Das ist absurd“, sagt Christine Tschirner, deren Mutter der Hund gehört.

Die Vorgeschichte kennt sie nur aus Erzählungen ihrer Mutter: 2011 war die mit Lisa spazieren, das Tier war angeleint. Ein anderer, ihnen entgegenkommender Hund war das nicht – und provozierte Lisa nach Aussagen der Familie Tschirner so sehr, dass sie zubiss. Die Schäferhündin wurde daraufhin als gefährlich eingestuft.

„Natürlich ist es nicht in Ordnung, dass Lisa zugebissen hat“, sagt Tschirner. Die Hündin daraufhin aber sofort als gefährlich einzustufen, sei ihrer Meinung nach aber nicht in Ordnung – zumal zu dem damaligen Zeitpunkt überhaupt kein Wesenstest gemacht wurde und niemand, der über den Hund urteilte, diesen je gesehen hatte. Mittlerweile ist ein solcher Test aber gemacht worden. Der dafür zuständige Tierarzt stellt fest, „dass eine gesteigerte Aggressivität nicht beobachtet werden konnte“. „Ich verstehe nicht, wieso Lisa gefährlich sein soll, wenn der Test doch was anderes besagt“, fragt sich Tschirner.

Eine Antwort darauf gibt Patrick Reiß vom Eschweger Ordnungsamt. Wesenstests müssten erst dann gemacht werden, wenn ein Hund bereits als gefährlich eingestuft worden ist. Das passiere dann, wenn das Tier zum Beispiel ein anderes beißt. Der Wesenstest würde dann bescheinigen, ob das Tier ein bestimmtes Sozialverhalten an den Tag legt. „Nur wenn das der Fall ist, darf der Besitzer das Tier auch behalten“, erklärt er. Der Test sage hingegen nichts darüber aus, ob ein Hund gefährlich sei oder nicht.

Dass er jetzt als solcher eingestuft ist, zieht neben dem Maulkorb und der Sicherung des Grundstücks weitere Unannehmlichkeiten für die Tschirners nach sich: Neben der wesentlich teureren Hundesteuer von 600 Euro im Jahr musste die Halterin, die 78-jährige Mutter von Christine Tschirner, einen Antrag für das Halten von gefährlichen Hunden abgeben. Unter anderem musste sie dort unterschreiben, dass sie weder Drogen nimmt noch Zuhälterei betreibt. „Das ist erniedrigend“, sagt die Tochter.

Deshalb ist sie weiter in Kontakt mit dem Ordnungsamt, um die Einstufung aufheben zu lassen. Ob das möglich ist, ist ungewiss: „Sowas ist immer eine Einzelfallentscheidung“, sagt Ordnungsamtsleiter Reiß.

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