Entwurf der Gestaltungssatzung für die Eschweger Kernstadt gestern Thema im Beirat

Am Anfang des Prozesses

Geschmackvolle Innenstadt: Fachwerk ist Eschweges Kapital. Die Fassade soll nicht mit austauschbarer und weltweit einheitlicher Markenwerbung zugebaut werden. Die Stadt arbeitet an einer Gestaltungssatzung. Foto: Kiele

Eschwege. Professor Manfred Gerner sieht Eschweges Kapital im Fachwerk. Bürgermeister Alexander Heppe hat die Hauptaufgabe der Gremien darin erkannt, die Stadt attraktiv zu halten: „Ein gepflegtes Stadtbild ist ein wertvolles Gut.“ Eine Gestaltungssatzung soll helfen, die Wertigkeit des Stadtbildes zu bewahren und punktuell zu verbessern.

Gestern Nachmittag beriet der Gestaltungsbeirat den ersten Entwurf einer Satzung, in der die Details geregelt werden sollen. Anschließend hatten Bürger und Gewerbetreibende Gelegenheit zur Stellungnahme.

„Wir sind erst ganz am Anfang eines Prozesses“, sagte Heppe und machte deutlich, dass der Entwurf der Gestaltungssatzung, wie er zuletzt dem Magistrat vorlag, als Diskussionsgrundlage zu verstehen ist, nicht aber als fertiges Regelwerk. Betroffene sollen zu Beteiligten gemacht werden. Nach Ansicht Gerners, Mitglied im Gestaltungsbeirat in Eschwege und Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstätte, helfen gegen Bevölkerungsschwund nur attraktive Städte. „Die Gestaltungssatzung ist ein weiterer Schritt dahin.“ Weit mehr als die Hälfte der 130 Mitgliedsstädte in der Arbeitsgemeinschaft haben ein solches Regelwerk. Es komme aber immer darauf an, wie ein solches Instrument genutzt werde, sagte er. Gerner machte deutlich, dass der Anspruch eines einheitlichen Stadtbildes nicht mit Gleichmacherei oder Uniformierung verwechselt werden dürfe.

Roland Adlich, Vorsitzender des Gestaltungsbeirates, sieht vor allem zwei Gefahren für die Eschweger Fachwerkkulisse: äußere Wärmedämmung und globalisierungsbedingte Markenpräsentation. Weltweit tätige Unternehmen würden ihre Produkte nach einem strikten Muster bewerben, das zu einem Einerlei führe, das überall zu sehen sei. Gerner führt das auf „zugenommenen Werbedruck“ zurück.

„Man kann eine Stadt mit Billigmöblierung nach unten und mit hochwertigen Produkten nach oben ziehen“, machte Professor Gerner die Bedeutung von Ursache und Wirkung deutlich. Das Publikum müsse qualitätsvoll angesprochen werden.

Bis auf wenige Ausnahmen funktioniere das in Eschwege super, sagte Bürgermeister Heppe. Als Übergangsfrist bis zur kompletten Umsetzung der Satzung sieht Gerner höchstens zwei Jahre.

Von Harald Sagawe

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