Online-Handel setzt Apotheker im Werra-Meißner-Kreis unter Druck

Werra-Meißner. Besorgnis unter Apothekern im Kreis: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat die Preisbindung für rezeptpflichtige Medikamente für unzulässig erklärt. Der Grund: Sie erschwere Anbietern aus anderen EU-Ländern der Zugang zum deutschen Markt.

Das Urteil könnte verheerende Konsequenzen für die Apotheken haben, denn Internet-Händler aus dem europäischen Ausland können Arzneien jetzt billiger verkaufen als Apotheken in Deutschland. Für Miriam Eisenberg, Inhaberin der Schloss-Apotheke in Eschwege, besteht eine Gefahr darin, dass nun deutsche Apotheken dagegen klagen und dann die Preisbindung ganz fallen könnte. Das Problem: Dann könnten Krankenkassen Medikamente ausschreiben und der Patient könne dann nur noch in der Apotheke sein Rezept einlösen, die den Zuschlag bekommen habe. Eisenberg verweist darauf, dass Apotheken viele Service-Leistungen, wie Notdienste oder das Anmischen von Rezepturen, nur anbieten können, weil sie über die festgelegten Preise für rezeptpflichtige Medikamente querfinanziert würden. Sie ist überzeugt davon, dass der Konkurrenz-Druck für Vor-Ort-Apotheken durch Online-Apotheken damit größer wird und das viele Apotheken – vor allem im ländlichen Raum – dem nicht standhalten werden. Ihr Kollege Michael Schäfer von der Rübezahl-Apotheke in Witzenhausen befürchtet, dass Krankenkassen Patienten dazu bewegen könnten, ihre Medikamente beim günstigeren Onlinehändler zu bestellen. Ob dort der Beratungsservice mit gut ausgebildetem Personal, welches bei Bedarf auch Rücksprache zur Medikation mit den Ärzten halte, gegeben sei, bezweifelt er: „Das aber gebietet die Verantwortung unseres Berufs.“ Auch die deutschen Apothekerverbände sehen die Gesundheitsversorgung auf dem Land gefährdet und versuchen, den Versandhandel für rezeptpflichtige Medikamente verbieten zu lassen. (mad/fst/dir)

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