Artenschutz für einen echten Internetstar

Reichensächserin Johanna Rode-Margono forscht auf Java

Nachtaktiv. Mit Stirnlampe und und Peilsender spürt Johanna Rode-Margono die Plumploris auf.

Riechensachsen/Java. Ursprünglich wollte Johanna Rode-Margono aus Reichensachsen Grundschullehrerin werden. Das war aber nicht ihre Erfüllung. Sie studierte Wildtiermanagement und erforscht jetzt die Plumploris auf der Insel Java für ihre Doktorarbeit. Die Tiere sind begehrt. Dafür müssen sie aber leiden.

Wenn es Nacht wird in den Bergen auf der indonesischen Insel Java und sich die Temperaturen von rund 30 Grad auf kühle zehn Grad Celsius senken, beginnt die anstrengende Arbeit von Johanna Rode-Margono und ihrem Team. Mit Peilsendern und Kopflampen ausgestattet machen sie sich auf, um auf den Feldern der indonesischen Bauern die javanischen Plump-loris, eine vom Aussterben bedrohte Primatenart, die nur auf Java vorkommt, zu beobachten.

Was fressen die nachtaktiven Tiere, wie verhalten sie sich, welche anderen Tiere treffen sie – das Verhalten der Loris wird genau dokumentiert und am nächsten Morgen ausgewertet. Die kleinen süßen Tiere mit den großen Augen stehen auf der roten Liste ganz oben und sind vom Aussterben bedroht, vor allem wegen Habitatverlust und illegalem Wildtierhandel. „Die Plumploris sind beliebte Tiere auf Facebook oder Youtube und richtige Internetstars. Weil sie so niedlich sind, sind sie in Indonesien ein beliebtes Haustier. Die Tiere sind allerdings giftig und ihr Biss kann tödliche Folgen haben“, erklärt Johanna Rode-Margono. Um die Tiere verkaufen zu können, ziehen die Wildtierhändler den kleinen Primaten die Zähne, so dass sie nicht mehr beißen können. „Nur die wenigsten Tiere überleben diesen Eingriff wegen Entzündungen oder weil sie anschließend nicht mehr richtig fressen können“, erklärt Rode-Margono weiter.

Johanna Rode-Margono kommt aus Reichensachsen und studierte nach ihrem Abitur an der Adam-von-Trott-Schule in Sontra zunächst Grundschullehramt, merkte aber schnell, dass dies nicht die Erfüllung ihrer Träume war. Sie begann in Holland einen Wildtiermanagement-Studiengang und wechselte anschließend an die Oxford-Brookes-Universität nach England. Für ihre Master-Arbeit erforschte sie Lemuren auf Madagaskar und bewarb sich im Jahr 2011 auf das ausgeschriebene Projekt ihrer Universität zur Erforschung der Plumploris, worüber sie auch ihre Doktorarbeit schrieb. Für eineinhalb Jahre forschte sie auf der Insel Java nach den Tieren und betrieb auch Aufklärungsarbeit bei den Bauern und der Bevölkerung. „Viele der Einwohner haben die Affen noch nie gesehen, da sie ja nachtaktiv sind, oder wissen gar nicht, dass die Loris nur auf ihrer Insel vorkommen“, erzählt Johanna Rode-Margono. „Wir wollen erreichen, dass sie stolz darauf sind, dass diese Tiere bei ihnen leben.“

Zur Arbeit vor Ort gehört für die nordhessische Forscherin auch, sich regelmäßig auf illegalen Märkten umzuschauen, um zu sehen, wie viele Tiere angeboten und zu welchen Preisen sie gehandelt werden. „Dafür musste ich die interessierte Touristin spielen, die gerne einen kleinen süßen Plumplori kaufen würde. Das war nicht einfach, denn an den Tieren hängt mein Herz. Sie in so kleinen Käfigen hocken zu sehen anstatt auf Bäumen in der Natur, war wirklich hart.“

Mittlerweile hat sich das Little- Fireface-Project, wie das Programm zum Schutz der Plumploris heißt, etabliert. Bis zu fünf Studenten und Angestellte arbeiten gemeinsam vor Ort. „Unsere Arbeit kann man durch eine Spende oder auch mit einer Patenschaft für einen kleinen Plumplori unterstützen“, erklärt Rode-Margono. Ende des Jahres wird Johanna Rode-Margono nach Indonesien zurückkehren, um zusammen mit ihrem Mann und ihrem Kind in Jakarta zu leben. Ein neues Artenschutzprojekt hat sie auch schon geplant, diesmal soll es um eine bedrohte Schweineart gehen.

Weitere Informationen zum Projekt und den Spendenmöglichkeiten gibt es auf der Internetseite www.nocturama.org oder direkt über Johanna Rode-Margono unter der E-Mail-Adresse Johanna.Margono@gmail.com.

Von Sonja Berg

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