Werra-Rundschau wünscht einen guten Rutsch ins neue Jahr

Julia Wittich ist die einzige Schornsteinfegerin im Werra-Meißner-Kreis

Ist und will hoch hinaus: Julia Wittich (21) ist die einzige Schornsteinfegerin im Werra-Meißner-Kreis. Foto: Cortis

Werra-Meißner. Sich selbst beschreibt sie glaubwürdig als friedliebenden Menschen. Deswegen führt sie auch nichts Böses im Schilde, wenn sie uns aufs Dach steigt. Julia Wittich, die in der malerischen Altstadt von Bad Sooden-Allendorf wohnt, ist die einzige Schornsteinfegerin im Werra-Meißner-Kreis - und unsere Glücksbringerin für das Jahr 2014.

Schon rein optisch dürfte die 21-Jährige bei manchem Zeitgenossen Glücksgefühle wecken: 1,72 Meter groß, 59 Kilogramm leicht, lange blonde Haare und ein hübsches Gesicht. Modelmaße unter einem rußschwarzen Overall. Aber wie kommt eine junge attraktive Frau auf die Idee, ausgerechnet Schornsteinfegerin zu werden?

Rückblick: Ursprünglich im Eschweger Stadtteil Niederdünzebach zu Hause, besuchte Julia die Elisabeth-Selbert-Schule in Wanfried. Bis zum Realschulabschluss hatte sie zwei Praktika nachzuweisen. Das erste leistete sie in einem Kindergarten ab. Das zweite aber musste ein anderes sein. Und als sie noch grübelte, was das denn sein könnte, lief ihr zufällig in Wanfried der Schornsteinfeger über den Weg. Kurze Nachfrage, und schon hatte sie das Praktikum in der Tasche.

Das muss ihr so viel Spaß gemacht haben, dass ihr Berufswunsch feststand, als sie mit 17 die Schule verließ. Sofort stürzte sie sich in die dreijährige Ausbildung, die sie mit Bravour absolvierte. Seit exakt einem Jahr ist Julia als Schornsteinfegergesellin bei Bezirksschornsteinfegermeister Carsten Ludwig in Reichensachsen angestellt. Und nicht nur auf die Dächer will sie hoch hinaus. Schon im nächsten Monat fängt die junge Frau, die in 33 Tagen 22 Jahre alt wird, mit der Vorbereitung auf die Meisterprüfung an. Nach anderthalb Jahren will sie es geschafft haben, um irgendwann einmal selbst einen Kehrbezirk zu übernehmen.

Und was liebt sie so an ihrem eigentlich typischen Männerberuf? „Man kommt viel rum, lernt viele Leute kennen und hat es immer mit Menschen zu tun“, antwortet die aufgeweckte Julia und widerlegt jedes Klischee von der viel geschmähten Blondine.

Ob Sturm und Regen oder Schnee und Eis, bei jedem Wetter ist die 21-Jährige auf Achse. Und mit dem Kaminfegen ist es noch lange nicht getan. Emissionsschutzmessungen an den Heizungsanlagen gehören ebenso zum Job wie die regelmäßige Überprüfung von Abgaswegen. Durchgerostete Abgasrohre, weiß sie, können größte Gefahren heraufbeschwören. Denn Kohlenmonoxid, dieses unsichtbare, geruchs- und geschmacklose Gas, ist hochgiftig und kann schon in kleinen Mengen lebensbedrohlich werden, wenn es in die Raumluft entweicht.

Inzwischen betreut die Schornsteinfegerin 2300 Liegenschaften, den kompletten Stadtteil Allendorf, Teile von Sooden, ferner Albungen und Kleinvach und Teile von Niederhone. Bis zu viermal im Jahr kreuzt sie bei der Kundschaft auf und sieht nach dem Rechten.

Und was macht Julia so in der Freizeit? Gleich in zwei Feuerwehren ist sie aktiv, im Heimatort Niederdünzebach und in der Wahlheimat Bad Sooden-Allendorf. Irgendwann möchte die Liebhaberin von Grillhähnchen und Cola auch mal eine Familie gründen.

Derzeit noch ledig, ist sie aber schon in festen Händen und in noch festeren Pfoten bei ihrem Hund, einem Boarder-Collie. Nachdem sie Weihnachten mit Bruder Niklas (19) bei den Eltern verbracht hat, feiert unsere Glücksbringerin den Jahreswechsel heute mit Freunden aus der Nachbarschaft. (zcc) 

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