Schadstoffeintrag

Expertengremium zur Rettung des Werratalsees will Rolle der Landwirte untersuchen

Werratalsee in Gefahr: Mitte des Sommers droht dem Badegewässer erneut die massenhafte Vermehrung der Cyanobakterien. Seit fast drei Monaten sichtet die Expertenkommission Unterlagen auf der Suche nach Lösungen. Foto: Kriemichen

Eschwege. Mitte dieses Monats will das Expertengremium zur Rettung des Werratalsees erneut zusammentreten. Das hatten die drei Gewässerfachleute bereits während der konstituierenden Sitzung am 17. März verabredet.

Inzwischen steht fest, dass Andreas Gründel vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie die Runde um Dr. Klaus-Dieter Wolter, Wiesbaden, Professor Dr. Ulrich Braukmann und Dr. Nicole Nolte ergänzen wird. Die von SPD und Grünen geforderte Stabsstelle im Rathaus soll mit Bernward Tölle von der Stadtverwaltung besetzt werden. Bereits während der konstituierenden Sitzung hatten sich die Fachleute auf eine grobe Einschätzung zum weiteren Vorgehen festgelegt:

• Die Nährstoffeinträge aus Landwirtschaft und Werra sollten näher untersucht werden, um die Quelle bestimmen zu können. Neben Phosphat sind auch andere Nährstoffe, vor allem Kalium und Magnesium, zu betrachten.

• Das Sediment des Werratalsees sollte näher untersucht werden, weil eine Phosphatrücklösung in den tieferen Abschnitten des Sees eine größere Rolle spielen könnte als bisher angenommen.

• Wenn erforderlich, sollte eine Phosphatfällung eher mit Eisen statt mit Aluminium erfolgen.

• Der Kellaer Bach und die Frieda sind auch stark phosphatbelastet. Die Bundesstraße 249 stellt für die Grundwasserströme aus dem Gebiet nördlich des Werratalsees kein Hindernis dar.

• Die höherwüchsigen Wasserpflanzen sollten weiterhin gemäht und das Mähgut entfernt werden. Die Experten empfehlen, in diesem Jahr großflächig zu mähen und nicht nur die Sportflächen. Es soll außerdem darauf geachtet werden, dass möglichst wenige Rückstände im See bleiben.

Die Expertenrunde hat außerdem darauf hingewiesen, dass sie ganzjährige Messreihen für erforderlich hält, um konkrete Aussagen auch für bestimmte Jahreszeiten wie Frühjahr und Sommer treffen zu können.

Diese Einschätzungen seien ohne Sichtung der Gutachten und detaillierte Kenntnisse der Untersuchungen getroffen worden und basierten auf Erfahrungswerten, die von den Fachleuten bei Arbeiten an anderen Gewässern gesammelt worden seien, heißt es in einer Sitzung des Magistrats der Kreisstadt.

Inzwischen haben die Fachleute umfangreiches Aktenmaterial gesichtet und ausgewertet. Ein genauer Termin für die nächste Sitzung der Expertenrunde ist noch nicht bekannt. Das Gremium soll, so die Forderung der Antragsteller, beim nächsten Treffen öffentlich tagen.

Von Harald Sagawe

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