Höhere Versicherungssummen

Hebammen sind in ihrer Existenz bedroht 

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Tag der Hebammen: Die Landtagsabgeordnete Lena Arnold (CDU) hört sich die existenziellen Sorgen der freiberuflichen Hebammen an, die im Kreißsaal des Eschweger Krankenhauses als Beleghebammen arbeiten.

Eschwege. Die freiberuflichen Hebammen bangen um ihre Existenz. Esther Frost, Connie Zeuch, Elke Ebel-Fuchs, Anke Ammann, Mareike Heise, Simone Hendrich, Dana-Lena Kellner und Bettina Sawosch sind als Beleghebammen auf freiberuflicher Basis auf der Geburtsstation des Klinikums Werra-Meißner in Eschwege tätig. Angestellte Hebammen gibt es hier nicht mehr.

Doch die Versicherungssummen, die die Frauen für ihre Berufshaftpflicht zahlen müssen, steigen immer weiter an.

Verschärft hat sich die Situation, da ein Versicherer aus dem Angebot der Berufshaftpflichtversicherung für Hebammen ausgestiegen ist. Ab Juli steigt die Versicherungssumme bei den verbleibenden Versicherern damit auf über 5000 Euro im Jahr, ab Juli nächsten Jahres würde jede freiberufliche Hebamme über 6000 Euro zahlen müssen. Durch ihre Einnahmen können die Frauen diese Summe kaum noch aufbringen. „Für uns bedeutet es, dass wir immer mehr Geburten haben müssten, um unsere Berufshaftpflicht überhaupt bezahlen zu können“, sagt Esther Frost frustriert. „Doch darunter leidet nicht nur die Qualität unserer Arbeit, es sind auch viele Kolleginnen aus dem Beruf ausgestiegen.“ Die Hebammen setzen ihre Hoffnungen auf die Politik, und haben am internationalen Hebammentag die Landtagsabgeordnete Lena Arnold (CDU) in den Kreißsaal nach Eschwege eingeladen, um ihre Stimme in Wiesbaden zu Gehör zu bringen.

„Wir alle lieben unseren Beruf, wir sind jederzeit für die gebärenden Frauen da, am Wochenende oder auch nachts, aber wenn ich meine eigene Familie durch meine Arbeit nicht mehr ernähren kann, muss ich den Beruf aufgeben“, sagt etwa Janina Peters.

Die Forderungen der Hebammen sind, eine Haftungsobergrenze festzulegen, die Regressforderungen der Sozialversicherungsträger zu deckeln, die Verjährungsfrist für Schadenersatzforderungen von 30 Jahren zu verkürzen sowie eine gesetzliche Grundlage für ein Umlagesystem der Haftpflichtkosten zu schaffen.

„Das Problem der Hebammen ist politisch viel zu lange nicht erkannt worden“, gibt Lena Arnold zu. Sie verspricht den Frauen, sich im Landtag für sie einzusetzen. „Gebärende brauchen Hebammen, die sich Zeit für sie nehmen und für sie da sind“, sagt Connie Zeuch. „Schon jetzt haben Frauen in größeren Städten aber Probleme, eine Hebamme zu finden.“ Und Elke Ebel-Fuchs fügt hinzu: „Eine Geburt darf keine Frage der Wirtschaftlichkeit sein.“

Von Kristin Weber

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