Becherpfand für sauberes Wasser

Auch im dicksten Konzertgewühl ist sie nicht zu übersehen: die weiße Flagge der Initiative „Viva con agua“. Wer Gutes tun will, holt sich den Euro Pfand nicht selbst, sondern wirft seinen Pfandbecher in die Tonnen und unterstützt damit Trinkwasserprojekte in der Dritten Welt. Foto: Denis Gall

Die Tonne in der einen Hand, die weiße Flagge in der anderen Hand ziehen Philipp Böer und Svenja Thelen durchs dickste Konzertgedränge und sammeln Pfandbecher. Für eine gute Sache. Die beiden Studenten aus Köln und Siegen sind Aktivisten der Initiative „Viva con Agua“, über die mit den Einnahmen aus dem Becherpfand der Bau von Trinkwasserbrunnen in Afrika finanziert wird. Denn jeder Becher ist über sein Pfand einen Euro wert.

Die beiden Studenten (er Physik, sie Jura) arbeiten ehrenamtlich. „Wir haben gezielt im Internet nach Projekten gesucht, bei denen wir uns für eine gute Sache engagieren können“, sagt Svenja. Bei ihrer Recherche stießen sie auf „Viva con agua“, meldeten sich in einem Pool an und tingeln diese Saison über Festivals, Konzerte und Sportveranstaltungen. „Dafür haben wir die Konzerte und Festivals umsonst.“

„Die Leute kennen uns inzwischen. Viele können mit dem Begriff was anfangen und kommen von allein auf uns zu, wenn wir mit unseren Tonnen und der Fahne durch die Menge ziehen“, erzählt Svenja. Vor allem erfahrenen Festivalbesuchern sei das Projekt inzwischen ganz vertraut.

Mira Hassan, die seit drei Jahren für die Initiative arbeitet, weiß, dass beim Open Flair im vergangenen Jahr knapp 6000 Becher und damit 6000 Euro gesammelt wurden. Und allein zwischen dem vergangenen Donnerstagabend bis Freitagabend sind auf dem Open Flair weit über 1000 Becher zusammengekommen.

Die Einnahmen aus der Bechersammlung der diesjährigen Saison werden für die Reparatur und den Bau von Trinkwasserbrunnen im Norden Ugandas verwendet. Geplant sind fünf neue Wasserversorgungsstellen sowie die Reparatur von 24 Wasserstellen, die nicht mehr ausreichend sauberes Trinkwasser fördern,

Zudem sollen die Bewohner der Region in Fragen der Hygiene und Wartung und Reparatur der Brunnen geschult werden. Damit erreicht das Projekt nach Angaben der Organisation in der ostafrikanischen Region bis zu 180 000 Menschen.

Weltweit haben fast eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Über 2,5 Milliarden leben ohne angemessene sanitäre Basisversorgung. Das ist für die Initiative „Viva con agua“ Grund, sich unter dem Motto „Wasser für alle“ zu engagieren. Neben den Wasserprojekten unterstützt sie zudem Bildungsprojekte an Kindergärten und Schulen, in denen über globale Zusammenhänge zum Thema Wasser aufgeklärt wird.

Auf der Website von „Viva con agua“ kann man einsehen, wie viele Becher in der Saison bereits gesammelt wurden. 2013 sind es schon 59 300 Becher, also fast 60 000 Euro für Afrika.

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