Mediziner hat bösartigen Tumor nicht erkannt

Behandlungsfehler: Eschweger Arzt von Gericht verurteilt

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Eschwege. Das Landgericht Kassel hat einen Eschweger Arzt zu einer Zahlung von 11 000 Euro verurteilt, weil er eine 85-jährige Patientin falsch untersucht und zu spät ins Krankenhaus überwiesen hat.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass es „durch den Arzt zu verantwortende Versäumnisse, zu einer erheblich verzögerten Diagnose gekommen ist und der anschließende Tod nicht mehr verhindert werden konnte“. Das Urteil wurde bereits Ende Oktober gefällt und ist mittlerweile rechtskräftig. Erst jetzt wandte sich die Tochter der Verstorbenen an die Öffentlichkeit, „um auf die haarsträubenden Behandlungsmethoden des Arztes aufmerksam zu machen.“

 Der Mann war über Jahre der behandelnde Hausarzt ihrer Mutter und zur Praxis habe ein „freundschaftliches Verhältnis“ bestanden“. Als die 85-Jährige im Februar 2008 wegen eines Druckschmerzes im Oberbauch die Praxis des Beklagten aufsuchte, nahm dieser eine Magenspiegelung vor und äußerte den Verdacht eines malignen Lymphoms, das die Tochter später als bösartigen Tumor begriff. Gewebeproben, die der Arzt entnahm, sollten Aufschluss bringen. Der Verdacht bestätigte sich nach Angaben des beschuldigten Arztes nicht. Er entließ die Frau ohne Therapie.

Als ein halbes Jahr später wieder Schmerzen am Bauch auftraten, überwies der Mediziner, der heute immer noch praktiziert, die Frau schließlich an die Innere Abteilung des Klinikums Werra-Meißner. Hier wurde ein Magenkarzinom diagnostiziert, dass nach Angaben der Klinik inoperabel sei. Auch eine Chemotherapie kam wegen einer Diabetes der Patientin nicht infrage. Drei Wochen nach dem Befund starb die Frau qualvoll, weil sie weder essen noch trinken konnte. Ein Gutachter bestätigte, dass die Gewebeproben im Februar an der falschen Stelle und in zu geringem Ausmaß entnommen wurden. Ob eine Operation erfolgversprechend gewesen wären, sei nicht zu beurteilen.

Von Tobias Stück

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