Angst um die Nachtruhe durch Einsatzfahrten von Notarzt- und Rettungswagen

Belastung für Anwohner

Kritiker: Sebastian Mader ist gegen den Bau der Einrichtung für betreutes Wohnen auf dem früheren Brauereigelände an der Cyriakusstraße in Eschwege. Er wünscht sich eine touristische Nutzung für das Areal. Foto: Sagawe

Eschwege. Für Sebastian Mader steht fest: Das Geschäftsmodell des betreuten Wohnens auf dem früheren Brauereigelände an der Cyriakusstraße in Eschwege funktioniert nicht und bedeutet für die Anwohner eine erhebliche Beeinträchtigung der Wohn- und Lebensqualität.

„Ich rechne mit deutlich höherem Verkehrsaufkommen und Lärmbelästigung vor allem während der Nachtstunden“, sagt Mader, der mit seiner Familie an der angrenzenden Heinrich-Vocke-Straße wohnt. Daran ändern auch die Informationen während der Bürgerversammlung nichts. Im Gegenteil: Mader wurde in seiner negativen Einstellung zu den Plänen der Entwicklungsgesellschaft Recona, die das Projekt in Kooperation mit der Arbeiterwohlfahrt verwirklichen will, bestärkt.

„Auf die Bedenken der Anwohner, dass die ohnehin knappe Parkplatzsituation an der Heinrich-Vocke-Straße mit der Inbetriebnahme der Einrichtung noch weiter verschärft wird, wurde lapidar vom Tisch gefegt, in dem man behauptete, dass die im Inneren der Anlage entstehenden Parkplätze weit über dem notwendigen Soll liegen würden“, berichtet Mader.

Noch gravierender stellt sich der Familienvater die Belästigungen vor, die durch nächtliche Einsatzfahrten von Rettungsfahrzeugen verursacht werden. Wenn die betagten Bewohner der Einrichtung medizinische Hilfe bräuchten, würden Notarzt- und Krankenwagen auch zu nachtschlafender Zeit mit Martinshorn fahren - angesichts der Altersstruktur der Bewohner in der Einrichtung wohl deutlich häufiger als an anderer Stelle.

Fehlalarme der Brandmeldeanlagen und daraus resultierende Einsatzfahrten der Feuerwehr, hohes Verkehrsaufkommen durch die vielen verschiedenen ambulanten Pflegedienste, die alle ihre Klienten dort versorgen sollen, würden hinzukommen. Darüber hinaus ist für Mader der ausgewählte Standort angesichts der Topografie denkbar ungünstig. „Wie bitte sollen die betagten Menschen mit Rollstühlen und Rollatoren auf den steilen Straßen wie dem Finkenweg, Lerchenweg, Dietenacker und der Cyriakusstraße zurecht kommen“, fragt der Kritiker.

Mader schlägt vor, leerstehende Wohnungen überall in der Stadt barrierefrei für betreutes Wohnen umzubauen. „Davon haben wir schließlich genug.“ Und was wird aus der ehemaligen Brauerei? Ferienwohnungen oder eine andere touristische Nutzung könne er sich vorstellen sagt Mader, der einen Abriss der Gebäude bedauern würde.

„Überall in Eschwege verschwinden alte Gebäude“, sagt er. Das dürfe nicht fortgesetzt werden. Vielmehr solle versucht werden, die Gebäudehülle zu erhalten, die Häuser zu entkernen und innen zu sanieren.

Von Harald Sagawe

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