Bundespolizeiorchester und Michael Hirte spielten für Henrik

Benefiz-Konzert mit Gänsehaut-Gefühl

Eschwege. Als der deutsche Astronaut Alexander Gerst am Mittwochabend im kasachischen Baikonur dem Countdown für den Start der Sojus in Richtung All entgegen fieberte, „tobte“ in der Eschweger Stadthalle der musikalische Krieg der Sterne. Star Wars von John Williams hatte das Bundespolizei-Orchester Hannover unter seinem Dirigenten Matthias Höfert aufgelegt und war damit einem Wunsch des jungen Henrik Wolf nachgekommen.

„Wir danken Bundespolizei, Stadt Eschwege und Arbeitskreis Open Flair sowie dem Reisebüro Fehling, die das Benefizkonzert zu Gunsten unseres Sohnes möglich gemacht haben“, begrüßte eine sichtlich bewegte Anette Lieberknecht-Wolf, die Mutter von Henrik, die knapp 600 Besucher. „Henrik und uns wird durch die Musik ein wenig Lebensfreude geschenkt“, und verwies darauf, dass auch der Stargast des Abends, Michael Hirte, ohne Gage in der Kreisstadt zu hören ist.

Und so war nach Julius Fucik’s bekanntesten und schönsten Marsch, dem „Florentinermarsch“, „Star Wars“ angesagt. Leitmotive zu unterschiedlichen Charakteren und wichtigen Objekten erfüllten den Saal. Mal bombastisch, an Wagner angelehnt, mal romantisch und die unheimliche Weite des Weltraums skizzierend, lieferte das Orchester ein musikalisches Meisterstück seines Könnens und seiner Vielseitigkeit. Spritzig, prickelnd, und dem wirkungsvollen Korkenknallern durch den Schlagzeuger, fühlte man sich durch die „Champagne-Polka“ von Johann Strauß Sohn in die Neujahrskonzerte der Wiener Philharmoniker versetzt. Klezmermelodien, mal mystisch und melancholisch, mal faszinierende Klangwelten, mal pure Lebensfreude: „Shirim“ - Lieder - des belgischen Komponisten Piet Swerts zeigten nachhaltig die Vielseitigkeit des jüdischen auf. Die Ouvertüre zur letzten Oper von Rossini, „Wilhelm Tell“ begleitete die begeisterten Zuhörer in die Pause.

„Henrik und uns wird durch die Musik ein wenig Lebensfreude geschenkt.“

Annette Lieberknecht-Wolf

Swingender Bigband-Sound empfing die Gäste im zweiten Teil, war es Pianist Thomas Loup, der Duke Ellingtons „Satin Doll“ zum Leben erweckte, ehe die British Light Music mit der „Elisabeth-Serenade“ Einzug in die Stadthalle hielt.

Und dann kam er endlich, der Stargast des Abends, Michael Hirte. Augen zu und entführen lassen in die Welt der Mundharmonika. Der James Last Klassiker „Biscaya“, eine zeitlose Melodie zum Träumen, vermittelt das Gefühl, Meer und Strand, hört man das Rauschen der Wellen und ihren Rhythmus, der von der Mundharmonika geführt und vom Orchester, besonders von Dirk Hillebold mit dem Akkordeon, wirkungsvoll herausgearbeitet wird. Einmal in seinem Element, ist es „Davids Song“, die Titelmusik aus „Die Abenteuer des David Balfour“ des rumänischen Filmkomponisten Vladimir Cosma, der die Fans des „Supertalents 2008“ zu Jubelstürmen veranlasst. Und der Thüringer setzt noch einen drauf. Mit Schuberts „Ave Maria“ erzeugt er Gänsehaut-Feeling, sind stehende Ovationen Lohn für eine imposante Vorstellung.

Auftritt fürs Publikum

Das Orchester bringt mit dem Soundtrack von Denver-Clan und Dallas wieder Bewegung in den Saal, wird Robbie Williams „Angels“ in der Bearbeitung von Matthias Höfert und einem exzellenten Trompeter Thomas Müller zu einer Ode an die Pop-Musik. Leicht, unbeschwert, temperamentvoll gestaltet sich das Finale mit lateinamerikanischen Rhythmen. Natürlich kamen Orchester und Michael Hirte nicht ohne Zugaben von der Bühne, sorgten Irving Berlins Jazzstandard „Puttin’ on the Ritz“ und die Beatles-Hymne „Hey Jude“ - hier glänzte mit einer außerordentlichen Virtuosität Saxophonist Andreas Kaufmann - noch einmal für stehende Ovationen. Aufgefordert zum Mitsingen, hatte auch das Publikum seinen großen Auftritt beim mehrminütigen Ausklang der Lennon/McCartney-Komposition.

Von Dieter Möller

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