Serie: Noch neun Wochen bis zu den ersten Klausuren – Erziehungswissenschaftler gibt Tipps

Bereit für den Endspurt zum Abitur

Lernen zu lernen ist nicht einfach: Vor den Abiturprüfungen sind gute Lernstrategien nötig. Foto: Ludwig

Werra-Meißner. Im Zeitraum vom 9. bis 23. März finden die Abiturprüfungen statt. Das heißt: Es bleiben für die Oberstufenschüler in Eschwege, Sontra, Bad Sooden-Allendorf, Witzenhausen oder Hessisch Lichtenau noch neun Wochen Zeit, sich darauf vorzubereiten. Wie am besten gelernt wird, dazu gibt der Lern- und Prüfungscoach Dr. Timo Nolle von der Universität Kassel ab sofort und bis zur Abiturwoche wöchentlich Tipps in unserer Zeitung. Grundlegende Hinweise für die Prüfungsvorbereitung gibt der Wissenschaftler vorab.

Passende Lernstrategie

Grundlegende Lernstrategien sollten so kurz vor dem Abitur nicht verändert werden. „Schüler, die ihr Abitur machen, haben eine mehrjährige Prüfungserfahrung. Sonst stünden sie nicht da, wo sie sind“, sagt Nolle. Deshalb sei es nicht sinnvoll, die bisherigen Lernstrategien zwei Monate vor der Abi-Prüfung über den Haufen zu werfen. „Was bisher gut funktionierte: beibehalten. Was noch nie funktioniert hat: weglassen.“

Beliebte Fehler beim Lernen

„Man kann versuchen, alles zu lernen und auf jede Frage vorbereitet zu sein. Dieses Ziel wird man aber nie erreichen“, sagt Nolle. Denn dafür müsse man die Prüfung kennen. Besser sei es zu akzeptieren, dass hundertprozentiges Wissen nicht möglich ist, aber dafür an das vorhandene Wissen zu hundert Prozent zu glauben. Wer kein Vertrauen in das Erlernte habe, dem mache in der Prüfungssituation die Aufregung einen Strich durch die Rechnung. Deshalb sei es gut, sich kurz vor der Prüfung noch mal vor Augen zu führen, was man alles beherrscht - nicht darauf gucken, was man nicht kann.

Mit dem Druck umgehen

Abiturienten sollten während der Abiturprüfung nicht über deren mögliche Konsequenzen nachdenken. Wer das geplante Medizinstudium oder den NC an der Uni im Kopf habe, der könne sich nicht richtig konzentrieren. „Ein befreundeter Coach von mir hat mal einen US-Golf-Profi gecoacht. Dieser hat am letzten Loch immer an die hohe Siegprämie und den Porsche gedacht, den er sich davon kaufen würde. Dabei verpatzte er immer wieder den Sieg.“

Richtiger Start fürs Lernen

Wer jetzt noch nicht begonnen habe, für die Abi-Prüfungen zu lernen, sollte dringend starten, rät Nolle. Es sei wichtig, dass in der Lernphase Freizeitaktivitäten möglich bleiben. „Es gibt Tage, da klappt es nicht mit dem Lernen und auch Krankheiten sollte man einkalkulieren“, so der Prüfungscoach. „In den letzten Tagen vor der Prüfung das Pensum eher reduzieren und keinesfalls versuchen, bis zur letzten Minute Dinge zu erlernen, die man bis dahin nie verstanden hat.“

Krux mit unlösbarer Frage

Schüler, die an einer Frage hängen bleiben, die sie nicht lösen können, sollten konzentriert zur nächsten übergehen. Manchmal hilft es, sich kurz zu strecken oder einen Schluck Wasser zu trinken. „Es ist eine wichtige Qualifikation, sich nicht an einer Frage festzubeißen.“ Viele grübeln auch bei folgenden Fragen innerlich noch über die ungelöste nach. Das stört die Konzentration und kostet Zeit. „Bei der Korrektur von Klausuren ist oft dieser Kipp-Punkt zu beobachten. Schüler bleiben an einer Frage hängen und bewältigen alle folgenden dann auch nicht mehr konzentriert.“

Zur Person

Dr. Timo Nolle (35) ist Erziehungswissenschaftler an der Uni Kassel. Der systemische Therapeut arbeitet auch als Lern- und Prüfungscoach und hat eine eigene Praxis. Seit 2007 ist der Kasseler an der Uni Kassel (Zentrum für Lehrerbildung/ Servicecenter Lehre) beschäftigt. Nolle hat sein Abi 1999 an der Jacob-Grimm-Schule gemacht. Notenschnitt: 2,5.

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