Hilferuf an den Beruflichen Schulen

Weil sie sonst klagen könnten: Lehrer-Verträge nicht verlängert

Eschwege. Es ist ein Hilferuf, der aus dem Kollegium der Beruflichen Schulen Eschwege kommt: Drei Lehrkräfte verlieren dort mit Beginn der Sommerferien ihren Lehrauftrag, weil ihr Vertrag ausläuft und nach fünf Jahren nicht mehr verlängert wird – damit sie sich nicht einklagen können. Denn das wäre nach dem genannten Zeitraum in Hessen jetzt möglich, das Kultusministerium entlässt die betroffenen Lehrkräfte nach fünf Jahren deshalb aus dem Dienst.

„Das ist unmöglich“, sagt die Vorsitzende des Schulpersonalrats der Beruflichen Schulen, Christine Kretzschmer. Zwar würden die Stunden, die durch den Wegfall der drei Kolleginnen wegfallen würden, ersetzt – „es geht uns aber nicht um die Stunden, sondern um die Menschen“. Deshalb wurden an der Schule jetzt mehr als 50 Unterschriften gesammelt, die sich für den Verbleib der Kolleginnen einsetzen. Weitergereicht wurden sie an die Landtagsabgeordneten Lothar Quanz und Dirk Landau sowie an Johannes Batton, Vorsitzender des Gesamtpersonalrates der Lehrer im Werra-Meißner-Kreis und im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. „Die Problematik, dass befristete Verträge nicht verlängert werden, kocht so kurz vor den Sommerferien hoch“, sagt er.

„Für uns ist das tragisch“, sagt Kretzschmer. Denn zum einen seien die Kolleginnen voll in den Schulalltag integriert, zum anderen erfülle an der Schule niemand sonst das Profil der drei Frauen, die nun gehen müssen: Alle haben keine Lehrer-, sondern eine praktische Ausbildung hinter sich, können den Schülern etwas aus der Praxis erzählen. „Das ist immens wichtig“, betont die Vorsitzende des Schulpersonalrates, denn Lehrern würde diese praktische Ausbildung fehlen. So sei eine der Kolleginnen, die nun gehen müsste, gelernte Krankenschwester, die zweite ist gelernte Hauswirtschafterin. „Für sie wird es unfassbar schwierig, in diesem Bereich einen Job hier im Kreis zu finden“, ist Kretzschmer pessimistisch.

Das sieht auch eine der drei Frauen so, die gelernte Kinderkrankenschwester ist. „Weder in Eschwege noch in Witzenhausen gibt es eine entsprechende Station, ich müsste dann nach Kassel oder nach Göttingen fahren“, sagt die junge Frau, die namentlich nicht genannt werden möchte. Dass ihr Vertrag nicht entfristet wird, hängt für sie mit ihrer Qualifikation zusammen: „Ich bin eben keine ausgebildete Lehrerin.“ Gerade das, so sagt Kretzschmer, mache sie und ihre Kolleginnen aber so wertvoll für den Unterricht: „Sie bringen den Schülern Wissen bei, das wichtig für die Praxis ist.“

Das sagt das Kultusministerium

Dass es in Hessen überhaupt Lehrkräfte mit befristeten Verträgen gibt, liegt laut dem Kultusministerium an Vertretungszeiten: In schweren Krankheitsfällen oder Elternzeit müsse ein Ersatz gefunden werden, der die Fächerkombination des ausgefallenen Lehrers hat. Da das selten gefunden werde, werden für den bestimmten Zeitraum mehrere Personen befristet angestellt. (cow)

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