Bewährungsstrafe: Falsche Rechnungen über 700 000 Euro

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Hessisch Lichtenau/Kassel. Weil er nach Überzeugung des Kasseler Landgerichts Scheinrechnungen über mehr als 700 000 Euro an ein Fuldaer Unternehmen gestellt sowie seine Umsätze und Einnahmen nicht korrekt beim Finanzamt angemeldet hat, ist ein 51-Jähriger Mann aus dem Werra-Meißner Kreis am Mittwoch zu 23 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

Die Wirtschaftskammer befand den Ex-Geschäftsführer zweier kleiner Dienstleistungsfirmen der Steuerhinterziehung in zwei Fällen und der Beihilfe zur Untreue in 26 Fällen für schuldig. Nach Angaben der Steuerfahndung ist der Fall des 51-Jährigen Teil eines viel umfangreicheren Tatkomplexes, bei dem die Fuldaer Firma um insgesamt 4,9 Millionen Euro geschädigt worden sein soll. Den gesamten Steuerschaden gab eine als Zeugin vernommene Mitarbeiterin der Finanzbehörden gestern mit rund 3,5 Millionen Euro an. Ihren Angaben zufolge steht im Mittelpunkt des betrügerischen Systems ein Mann, der noch Ende 2007 für Technik und Instandhaltung einer Hessisch Lichtenauer Zweigstelle der Fuldaer Firma verantwortlich gewesen sei. Dieser Mann habe eine ganze Reihe von Personen und Betrieben aus der Region veranlasst, falsche Rechnungen an seine Arbeitgeberin zu stellen – und dann ihm selbst den Großteil des so eingenommenen Geldes auszuzahlen. Laut Staatsanwaltschaft wurde in diesem Zusammenhang gegen über 30 Personen ermittelt. In rund 20 Fällen habe man Strafbefehle beantragt. Der 51-Jährige war der erste der Angeklagten, der sich vor dem Landgericht verantworten musste. Weitere Prozesse sollen folgen. Dem gestrigen Urteil war eine Verständigung vorausgegangen. Der 51-Jährige hatte alle angeklagten Taten, von denen die letzten bereits fünf Jahre zurückliegen, gestanden. Zur Bewährungsauflage wurde ihm gemacht, 360 Stunden gemeinnützige Arbeit abzuleisten. (jbk)

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