Wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt

Bewährungsstrafe für 23-Jährigen nach Segelflug-Absturz

Eschwege. Weil er den Absturz eines Segelflugzeugs auf dem Eschweger Flugplatz Stauffenbühl zu verantworten hat, ist am Donnerstag ein 23-Jähriger wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt worden.

Die Strafe wurde für zwei Jahre auf Bewährung ausgesetzt. Zusätzlich muss der Angeklagte aus dem Werra-Meißner-Kreis sämtliche Gutachtens- und Prozesskosten tragen, die im mittleren fünfstelligen Bereich liegen.

Dr. Alexander Wachter, Direktor des Eschweger Amtsgerichts, folgte mit seinem Urteil den Anträgen von Verteidigung und Staatsanwaltschaft. Er sah es als erwiesen an, dass der 23-Jährige sich am 28. September 2013 eigenmächtig zum Flugleiter bestellt hatte, ohne die dafür erforderlichen Qualifikationen, wie etwa einen Flugschein, zu besitzen.

In dieser Funktion gab der Angeklagte einem damals 85-jährigen, erfahrenen Segelflugpiloten, der mit einem Fluggast zu einem Rundflug aufgebrochen war, die Landeerlaubnis. Nur kurze Zeit später erteilte er die Startfreigabe für einen weiteren Windenstart. Start- und Landebahn sind auf dem Eschweger Flugplatz nicht getrennt. „Ich habe den Piloten nicht gesehen“, sagte der 23-Jährige, der selbst seit Jahren für den Eschweger Luftsportverein aktiv ist. Er habe den 85-Jährigen an einer anderen Position vermutet. Auch habe er zwei Funksprüche abgesetzt, um den Piloten über den Start des zweiten Segelfliegers zu informieren und vor dem herabfallenden Windenseil zu warnen - doch da sei es schon zu spät gewesen. Der Flieger verfing sich im Seil, geriet außer Kontrolle und stürzte aus rund 50 Metern ab.

Bei dem Absturz zogen sich sowohl der 85-Jährige als auch seine heute 24-jährige Mitfliegerin schwerste Verletzungen zu. Dem Piloten wurde der rechte Unterschenkel amputiert; die Frau verlor ihr ungeborenes Kind. Noch im Gerichtssaal entschuldigte sich der reuige 23-Jährige bei den Geschädigten.

„Verein hat moralische Mitschuld“

Wirklich böse sein, so schien es während der Verhandlung vor dem Eschweger Amtsgericht, konnten selbst die beiden Geschädigten, die bis heute unter den gesundheitlichen Folgen des Flugzeugabsturzes vom September 2013 zu leiden haben, dem angeklagten 23-Jährigen nicht.

Als „herzensgut und zupackend“ beschrieb der als Zeuge geladene Pilot der abgestürzten Maschine den jungen Mann, der den Flugsport als seine große Leidenschaft bezeichnet. „Dass ausgerechnet ihm so ein Missgeschick passiert ist, ist eine Tragödie.“ Auch Richter Wachter hielt dem 23-Jährigen zugute, dass es wohl seinem hilfsbereiten Naturell entsprach, kurzfristig als Flugleiter einzuspringen.

„Der für diesen Tag eingeteilte Flugleiter war gar nicht auf dem Platz“, erklärte Rechtsanwalt Stephan Sommerlik in seinem Plädoyer. Neben dem Angeklagten hätten sich zum fraglichen Zeitpunkt mindestens vier weitere Personen auf dem Flugplatz Stauffenbühl befunden, welche die erforderlichen Qualifikationen besaßen. „Doch eingegriffen“, sagte Sommerlik, „hat niemand.“

Auch mit dem Vorstand des Luftsportvereins ging Sommerlik hart ins Gericht: Dieser habe in eklatanter Weise gegen die Vorschriften verstoßen – denn qualifizierte Flugleiter seien zwingend im Auftrag des Vereinsvorstandes zu bestellen. „Der Luftsportverein hat eine Garantenstellung für die Überwachung des Flugbetriebes inne“, so der Rechtsanwalt. Insofern sehe er eine moralische Mitschuld bei den Verantwortlichen.

Von Emily Spanel

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