Im Werra-Meißner-Kreis sind sie stark vertreten und müssen mit geringer bzw. gekürzter Ausgleichszulage leben

Bio-Bergbauern haben es schwer

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Burkhard Ernst zwischen Rhönschafen (schwarzer Kopf) und Coburger Füchsen (braun-rötlicher Kopf). Jetzt kommen die Jungtiere, die als Osterlämmer gehandelt werden. Mit den aufgesprühten Nummern kann Ernst bei Krankheiten jedes Lamm seinem Muttertier zuordnen.

Werra-meissner. Nur, wenn sie gegessen werden, können sie überleben. Klingt paradox, verhindert aber das Aussterben der Rassen Rhönschaf und Coburger Füchse. Davon hat der Schäfer Burkhard Ernst 600 Stück, verteilt auf zwei Herden.

Burkhard Ernst

Mit denen zieht er im Radius von 25 Kilometern über 240 Hektar Grünland. Wegen unwegsamer Geländeform nannte man einen wie ihn früher Bergbauer und für deren erschwerte Arbeitsbedingungen gab es das Bergbauernproramm.

Das heißt heute Ausgleichszulage und beschert den Profiteuren 25 bis knapp 200 Euro pro Hektar und Jahr aus EU-, Bundes- und Landesmitteln. Jetzt ist die Zulage drastisch gekürzt worden, dem 28-jährigen Landwirt, Metzger und Schäfer Burkhard Ernst von Gut Giesenhagen bei Großalmerode wurde sie halbiert von ehemals über hundert Euro. Die ursprüngliche Gesamtsumme hatte er schon in Investitionen verplant, das kann er jetzt vergessen. „Kürzungen hätte ich noch verstanden, aber nicht die plötzliche Halbierung ohne Vorwarnung“, klagt Ernst, der als Betriebsleiter noch zwei Mitarbeiter hat auf seinem vor drei Jahren gepachteten Hof mit neuem Stall.

Er gehört Bioland an, verzichtet auf Genfutter, füttert nur normales Gras, wenig Kraftfutter nur aus Biobetrieben, im Winter Heu und Silage aus eigenem Anbau. Ernst pflegt mit seinen Schafen, deren Lämmer an Bioland-Metzger verkauft werden, hügelige Flächen in Höhenlagen, kann sich Pachten wie Milchviehhalter nicht leisten.

Von der Kürzung der Ausgleichszulage sind vor allem Ökobetriebe betroffen, von denen es in den benachteiligten Gebieten wie dem Werra-Meißner-Kreis besonders viele gibt, sagt Hans-Jürgen Müller. Er ist Sprecher der Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen und betreibt mit zwei ehemaligen Kommilitonen das Gut Fahrenbach zwischen Witzenhausen und Hundelshausen. Der Bioland-Betrieb züchtet die schwarze Rinderrasse Aberdeen-Angus, derzeit 70 Stück im Bestand mit Expansionstrend, denn „wir sind ständig ausverkauft“, sagt Müller.

Sein Betrieb ist von der Mittelkürzung nicht betroffen, weil er ohnehin nur wenig bekommt, aber Verständnis für die Kürzung unmittelbar nach gerade erst erfolgter Aufstockung hat er nicht. Fachleute zweifeln auch an den Förderrichtlinien. So wird auch ein Landwirt im flachen Südhessen als Bergbauer geführt, weil er auf Sandboden anbaut, nennt Müller ein Beispiel aus Offenbach. 200 Hektar Ackerland und Grünfläche werden für Getreide und Futter bearbeitet. Endverbraucher, Kindergärten und Geschäfte von Göttingen bis Frankfurt sind die Kunden des Rindfleisches von Gut Fahrenbach, wo es auch einen Hofladen gibt. Geschlachtet wird in Ermschwerd, zweimal wöchentlich von einem Metzgermeister auf dem Hof verarbeitet, am Mittwoch erst hat das Veterinär-amt dem Betrieb ausgezeichnete Sauberkeit und vorschriftsmäßige Hygiene bescheinigt.

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