Mit herrlichen Plaudereien begeisterte Uwe Steimle das Publikum in Eschwege

Bitterböses auf Sächsisch

Uwe Steimle: Er bleibt immer ernst und bringt dabei das Publikum zum Lachen. So auch im E-Werk. Foto: Pujiula

Eschwege. Er kommt gerne nach Eschwege. Das Kennzeichen ESW erinnert ihn an seinen Lehrbetrieb, EdelstahlWerk Freital. Dort hatte Uwe Steimle, Jahrgang 1963, Industrieschmied gelernt. Aber gleich danach zog es ihn ins Theater und ins Kabarett - und er hat eine steile Karriere gemacht.

An diesem Samstag trat er im ausverkauften E-Werk auf. Und er begeisterte das Publikum mit seinen witzigen Plaudereien. Denn auch wenn er Bitterböses sagt, bleibt er der nette Junge, dem man nichts übelnehmen kann.

Und Bitterböses hatte er einiges zu sagen: über die bundesdeutsche Politik und den Koalitionsvertrag. Steimle, der den Begriff Ostalgie geprägt hat, sieht Mitteldeutschland (den Begriff Ostdeutschland will er nicht gelten lassen) immer noch auf der Verliererseite: 90 Prozent aller führenden Stellen dort seien immer noch in den Händen von Westlern. Und besonders giftig ging er gegen die Angela, die in der DDR „sozialisiert“ wurde und jetzt immer noch in ihrem Vokabular DDR-Floskeln verwendet, etwa den Satz von Honni (den Steimle herrlich nachahmen kann): Es muss erst erarbeitet werden, was verteilt werden soll.

Aber das war nur eine Seite der Medaille. Uwe Steimle, der linke Moralist, ist vor allem ein hundertprozentiger Dresdner. Und so nahm seine Heimatstadt (vor dem Krieg die reichste Stadt Deutschlands, sagte er) einen breiten Platz in seinem Programm ein - diesmal ohne Bosheiten und ausgesprochen lustig.

Er sprach über seine Kindheit in Elbflorenz. Und er schwärmte von den Dresdner Christstollen, die so etwas sind wie „gebackener Glaube“ seien. Dazu gab der Künstler Samstag einige praktische Tipps: Nur große Stollen, etwa von zwei Kilos aufwärts, schmecken richtig gut, besonders solche aus bestimmten Bäckereien, die Steimle namentlich erwähnte. Und nicht zu vergessen: Die Zucker- und Butter-Deckschicht sollte richtig dick sein; je dicker, desto besser.

Es war ein mitreißender Abend mit dem souverän plaudernden, leicht sächselnden Kabarettisten, der viele bittere Wahrheiten ausgesprochen hatte - um dann aufs Liebenswürdigste zu unterhalten. Aber so oder so: Das immer schmunzelnde, oft laut lachende Publikum spendete begeisterten Schlussapplaus, dem einigen Zugaben folgten - darunter Interessantes über die große Welt des Kinos und Fernsehens.

Von Francisco Pujiula

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