Brief des Kultusministeriums schockiert Lehrer

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urn:newsml:dpa.com:20090101:150330-99-02099

Werra-Meißner. Erpressung – dieser Gedanke schoss einigen Lehrern aus dem Werra-Meißner-Kreis sofort durch den Kopf, als sie kürzlich einen Brief vom hessischen Kultusministerium bekommen haben. Angeschrieben worden sind diejenigen Personen, die derzeit auf einer Rangliste stehen und auf eine unbefristete Anstellung im Schuldienst warten – und die jetzt vorrangig bei einer Einstellung bedacht werden sollen, wenn sie sich bereit erklären, überwiegend Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten.

Verfasst worden ist der Brief vor dem Hintergrund der derzeitigen Flüchtlingssituation und den vielen Kindern ohne Deutschkenntnisse.  „Ich gebe zu, dass das Schreiben äußerst unglücklich formuliert worden ist.“ Johannes Batton Vorsitzender Gesamtpersonalrat Er habe viele empörte Anrufe erhalten, weil die Lehrer davon ausgehen, dass sie benachteiligt werden, sollten sie kein Interesse an dem Angebot haben. Das beinhaltete nämlich auch, dass man sich zum einen erst einmal in dem Fach Deutsch als Fremdsprache weiterbilden muss und dieses dann überwiegend unterrichten soll – die studierten Fächer hingegen wären nur noch zweitrangig.

Auf die kommt es aber auch weiterhin an, sagt Batton: „Wer gute Noten und eine nachgefragte Fächerkombination hat, wird auch weiterhin eingestellt“, sagt er. Interessant sei das Angebot hingegen für diejenigen, die weiter unten auf der Rangliste stehen. Batton hält das Schreiben auch deshalb für sinnvoll, weil das Land endlich auf die gestiegene Schülerzahl derjenigen reagiert hat, die kein Deutsch sprechen können. „Zudem handelt es sich um 800 zusätzliche Stellen, niemandem wird etwas weggenommen.“

Das bekräftigt auch das hessische Kultusministerium. Diejenigen, die diese Erklärung nicht unterschreiben, hätten dadurch keine Nachteile. Weder würden aus diesem Grund befristete Verträge nicht verlängert noch gebe es einen Malus. Angeschrieben worden seien zudem nicht nur die Lehrkräfte, die derzeit noch nicht im hessischen Schuldienst eingestellt sind, sondern auch zwei weitere Gruppen: pensionierte Lehrer bis 67 und Referendare, die Deutsch oder eine Fremdsprache auf Lehramt studiert haben. „Die Akquirierung pensionierter Lehrkräfte stellt eine fachlich sinnvolle Ergänzung zu den anderen beiden Gruppen dar“, sagt ein Pressesprecher des Kultusministeriums. Diese könnten Lehrkräfte, die für Deutsch als Zweitsprache benötigt werden, in ihren anderen Fächern ersetzen. Hessenweit seien insgesamt 10 000 Briefe verschickt worden.

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