Auftritt am Festivalfreitag um 22.30 Uhr

Casper bringt die Skeptiker zum Schweigen

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In Höchstform: Casper war im vergangenen Jahr einer der beeindruckendsten Auftritte beim Open Flair 2013. Der charmante Rapper hatte sein Publikum voll im Griff und kam nicht nur bei den Festival-Mädels gut an. Foto: Dennis Gall

Eschwege. Mit einer noch aufwändigeren Show als im vergangenen Jahr kehrt Casper zum Open--Flair-Festival zurück. 2013 waren viele Besucher zu Beginn noch skeptisch, ist das Eschweger Festival doch sehr durch Rockmusik geprägt. Aber auch jene äußerten sich nach seinem fulminanten Freitagabend-Auftritt positiv. Wie viel Spaß Casper selbst auf dem Festival hatte, zeigte er danach in seinem Tour-Podcast.

Nur wenige Wochen nach Caspers Auftritt auf dem Open Flair erschien sein neues Album „Hinterland“, mit dem er erneut ganz neue Maßstäbe setzte. Nach einer innerhalb von Minuten ausverkauften Clubtour folgte im Frühjahr eine ebenfalls ausverkaufte Tour durch die größten Hallen des Landes. „Hinterland“ ist das dritte Album von Casper und viel mehr als eine schnöde Hip-Hop-Platte. Es ist eine Referenz an Springsteen und Americana und vereint viele Musikstile miteinander. Seine außergewöhnliche Stimme und seine Texte sind weiterhin ausschlaggebend und bahnbrechend.

In wenigen Jahren mauserte sich Casper vom Nobody zum Superstar, besonders seit der Veröffentlichung seines zweiten Albums „XOXO“ 2011 hat sich sein Leben grundlegend geändert. So erfolgreich und positiv war Caspers Leben nicht immer, dafür aber eine gute Inspirationsquelle für seine Songs.

Geboren wurde Casper als Benjamin Griffey in einem kleinen Ort namens Bösingfeld in Nordrhein-Westfalen. Weil es dort außer stillgelegten Firmen für die Familie nicht viel gibt, zieht diese als Casper elf Wochen alt ist in die USA, in den Bundesstaat Georgia. Aber auch dort ist das Geld knapp und es reicht nur für eine Bleibe im Wohnwagenpark. Mit elf Jahren geht es für Casper und seine Familie zurück ins trostlose Bösingfeld, die Eltern haben sich mittlerweile getrennt. Der kleine Benjamin spricht kein Wort deutsch und findet in der Schule keinen Anschluss. Alles scheint noch viel aussichtsloser als in den USA zu sein. Nach dem Abitur zieht Casper zum Studieren nach Bielefeld, was er bis heute als seine Heimat bezeichnet.

Hier fängt er mit Rappen an und gründet zusammen mit Abroo und Seperate die Band „Kinder des Zorns“. Schnell ist er allerdings vom Rap gelangweilt, das was er vermisst, findet er in der Musik von Hardcore-Bands und ihren energetischen und aggressiven Live-Shows.

Casper ist schnell angefixt und tourt als Sänger der Band Not Now Not Never durch Europa und spielt jeden Abend vor einer Handvoll Zuschauern in Jugendzentren. Er beginnt wieder Hip-Hop zu hören und schreibt erste Texte für das Mixtape „Die Welt hört mich“. Dieses Mixtape bringt ihn 2006 wieder zurück auf die Hip-Hop-Bühnen. Casper hat schon lange Blut geleckt und tourt durch Deutschland. Das Studium ist längst Geschichte. 2008 erscheint sein erstes Album „Hin zur Sonne“, welches vor Energie, Hunger und Talent nur so strotzt. Er rappt auf klassische Beats, nur inhaltlich ist es komplett anders als alles, was die deutsche Rap-Landschaft zu bieten hat.

Casper formuliert schon damals seine Gefühle und Sehnsüchte so treffend, ergreifend und emotional in seinen autobiographischen Texten aus, dass sich die Szene gegen ihn stellt und ihn beschimpft. Unterkriegen lässt sich Casper deswegen aber nicht. Von der deutschen Musikpresse wird er als „Zukunft des deutschen Hip-Hops“ gefeiert.

2010 wechselt er zum Label Four Music und beginnt mit den Arbeiten zu „XOXO“, welches nach eigenen Regeln konzipiert wurde. So durften weder Klischee-Elemente aus Rap, noch Kompositionen mit Crossover-Bezügen enthalten sein. Anstatt mit den üblichen Szenestars zusammen zu arbeiten, singt er einen Song mit Thees Uhlmann. Als dieses Album im Juni 2011 erscheint, ist Casper in allen Mündern und Herzen, er schafft den Sprung von null auf Platz eins in den Album Charts und erreicht damit zum ersten Mal den Mainstream.

Casper hat ein Album geschaffen, welches nicht nur für den deutschen Hip Hop sondern auch für die deutsche Musikszene richtungsweisend ist. Aus den kleinen Clubs werden schnell ausverkaufte Hallen, sein erstes Album „Hin zur Sonne“ ist vergriffen und Fans zahlen für eine gebrauchte CD Summen über 100 Euro.

Man darf gespannt sein, wie Casper seine Show vom vergangenen Jahr auf dem Werdchen toppen will. Man kann sich nur sicher sein, dass er es tun wird. (sb)

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