Chefarzt der Psychiatrie geht nach 28 Jahren in Ruhestand

Nichtstun ist seine Sache nicht: Das Spannungsfeld zwischen „Wir wollen damit nichts zu tun haben“ und „Ihr seid hier akzeptiert“ wird ein ewiges Thema sein, deshalb reizt es Dr. Martin van Hagen, in seinem Ruhestand weiter politisch zu arbeiten. Unser Bild zeigt von Hagen in seinem Behandlungszimmer im Krankenhaus in Eschwege. Der helle Raum wirkt nicht wie ein Krankenhauszimmer. Foto:  Sagawe

Werra-Meißner. Er kann als ein Pionier im Bereich Psychiatrie bezeichnet werden: Dr. Martin von Hagen hat die ganzheitliche Sicht zur Behandlung psychiatrischer Erkrankungen im Werra-Meißner-Kreis in den vergangenen drei Jahrzehnten maßgeblich geprägt.

„Ich hatte immer das langfristige Ziel, die Lebensbedingungen für psychisch Kranke zu normalisieren“, sagt der Mediziner. Und dieses Ziel hat er erreicht - er hat „die Psychiatrie vom Meißner an die Werra gebracht.“ Nun geht der 67-Jährige nach 28 Jahren des Wirkens im Werra-Meißner-Kreis in den Ruhestand.

Als Ärztlicher Direktor hatte von Hagen 1986 im Zentrum für Soziale Psychiatrie Werra-Meißner seine Arbeit begonnen. Damals befand sich die Klinik noch auf dem Hohen Meißner - seit 2006 ist sie in der Kreisstadt Eschwege angesiedelt. Chefarzt des Zentrums für Psychiatrie und Phsychotherapie am Klinikum Werra-Meißner ist von Hagen seit 2004.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband ist eine wichtige Institution mit lebensnotwendigen Aufgaben.

Auch nach Ende seiner Tätigkeit als Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie wird von Hagen der Medizin nicht gänzlich den Rücken kehren. Im sozial- und gesundheitspolitischen Bereich will er sich künftig stärker engagieren. Der zweifache Vater ist Mitglied im paritätischen Wohlfahrtsverband (DPWV), „einer wichtigen Institution mit lebensnotwendigen Aufgaben“, wie er selbst sagt. In der DPWV-Kreisliga übernimmt von Hagen zudem sozialpolitische Tätigkeiten in Zusammenarbeit mit der Kreisverwaltung im Bereich der kommunalen Daseinsfürsorge, die beispielsweise Drogen-, Erziehungs- und Familienberatungsstellen finanziert - also medizinische und therapeutische Leistungen, die nicht von den Krankenkassen getragen werden.

Auch in der Gesundheitspolitik auf Bundesebene will sich von Hagen vermehrt engagieren. Er ist stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokraten im Gesundheitswesen (ASG) und Mitglied im Sozialpolitischen Ausschuss der SPD im Bezirk Hessen-Nord. „Ich liebäugele aber auch damit Soziologie zu studieren, um das wissenschaftlich zu untermauern, was mich tagtäglich begleitet hat.“

Dass er Psychiater werden will, wusste Martin von Hagen schon im Alter von 15 Jahren. Damals jobbte er in den Ferien als Krankenpflegehelfer im Krankenhaus in Lüneburg. Die Psychiatrie sei damals wie heute ein wenig anerkanntes Fach und für die meisten Ärzte „keine richtige Medizin“ gewesen: „Diese Herausforderung hat mich gereizt.“ Besonders spannend sei, dass die Psychiatrie medizinische, soziologische und politische Aspekte vereint.

Familie bestimmt 

Ob Dr. Martin von Hagen im Werra-Meißner-Kreis wohnen bleibt, hängt auch von den Zukunftsplänen seiner Frau und seiner beiden Kinder ab: „Jetzt hat die Familie das Recht zu bestimmen wo es langgeht“, sagt der 67-Jährige.

Während sein 20-jähriger Sohn bereits mit dem Studium begonnen hat, besucht der Zwölfjährige derzeit die Freiherr-vom-Stein-Schule in Hessisch Lichtenau.

Von Alia Shuhaiber

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