Chinese singt im Männerchor

In freundschaftlicher Runde: Der 23-jährige Student Weiming Lin aus China singt seit vier Monaten im Männerchor 1842 Bad Sooden-Allendorf. Foto: Leissa

Bad Sooden-Allendorf. Der Mechatronik-Student Weiming Lin aus China singt nicht nur im Männerchor 1842 Bad Sooden-Allendorf, er ist mit seinen 23 Jahren auch das jüngste Mitglied.

Seit acht Monaten wohnt der junge Mann in Deutschland, um an der Diploma Hochschule Nordhessen zu studieren. Im Frühjahr beschloss er, beim Männerchor mitzusingen und reichte eine Initiativbewerbung ein. „Ich war natürlich verwundert“, erzählt der Vorsitzende des Chors, Gerfried Hopf, „denn eine schriftliche Bewerbung, und dann noch von einem Studenten, hatte ich nicht erwartet“. Der Altersdurchschnitt im Chor beträgt um die 70 Jahre, erklärt er. Dann stand dieser sympathische, eifrige Asiate vor ihm, der gewillt war, traditionelles deutsches Volksliedgut in der Gruppe zu singen. „Singen entspannt mich von meinem hektischen Alltag als Student“, sagt Weiming Lin. Er sucht einen Moment lang nach Worten, lächelt, während er nachdenkt. Er möge den Kontakt zu den Menschen im Chor, den älteren Herren, die ihm mehr über die deutsche Kultur erzählen. Geprobt wird im Hochzeitssaal am Marktplatz. Sein erster Übungsabend in dem eindrucksvollen Zimmer sei überwältigend gewesen, erinnert sich Weiming Lin. Er möge die klassische Architektur der deutschen Gebäude, besonders ihren altertümlichen Stil und die Fachwerkhäuser.

„Singen entspannt mich von meinem hektischen Alltag als Student.“

Anfangs hatte er Sorge, sein brüchiges Deutsch könne ihm Probleme bereiten. Aber dann stellte er fest, wie klar und leicht sich die betont langsamen Volkslieder singen ließen. „Nicht so wie moderne Musik, die ist zu schnell und zu undeutlich“, sagt er lachend. Bevor er als Bass n den Chor einstieg, sang er selten privat. „Nur ein paar Mal, auf Feiern zu Hause in Wuhan“, meint er. Sowohl in seiner Heimatstadt als auch in ganz China gäbe es keine Chöre.

Das soll sich nach seinen Plänen ändern: Begeistert erzählt er von der Idee, in China einen eigenen Männerchor auf die Beine zu stellen. Singen könnte man auch die liebgewonnenen deutschen Lieder, mit denen er seine Sprachkenntnisse verbessert habe.

Von Margarete Leissa

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