Programm „Jedes Kind ein Instrument“ steht nach rapider Mittelkürzung vor dem Aus

„Das ist das Ende der Idee“

Eschwege. Mittwoch zur sechsten Stunde an der Eschweger Struthschule ist Jeki-Zeit. Im Erdgeschoss versuchen zwei Jungs ihren Celli saubere Töne zu entlocken, gegenüber schrummelt eine Gruppe auf Gitarren, obendrüber kämpfen Schüler hochkonzentriert an Steeldrums um den Takt.

Seit 2008 gehörte die Grundschule zu den 70 Pilotschulen in Hessen für das Projekt „Jedes Kind ein Instrument“ (Jeki).

Doch nun könnte das Programm, mit denen Kindern aller Bildungsschichten Instrumentalunterricht ermöglicht werden sollte, nach fünf Jahren vor dem Aus stehen. Das Kultusministerium hat die Mittel für Jeki ab dem kommenden Schuljahr auf ein Viertel der Summe gekürzt. Erhielt die Schule für Jeki bisher 12 000 Euro pro Schuljahr werden es künftig noch 3000 Euro sein.

Damit, so Rektor Rolf Tinnefeld, können aber die Kosten für die Musikschule als Kooperationspartner, die Lehrer und Instrumente für den Unterricht stellt, nicht gedeckt werden. Eine Lösung zur Rettung von Jeki wäre, die Eltern deutlich stärker zur Kasse zu bitten. Deren Beitrag müsste dann von bislang fünf Euro pro Monat auf zirka 25 Euro steigen. Mindestens 20 Schüler müssen sich beteiligen. „Das ist nicht im Sinn von Jeki und eigentlich das Ende der Idee“, sagt Tinnefeld. Derzeit werden die Eltern befragt, ob sie bereit wären nach den Sommerferien für Jeki deutlich mehr zu zahlen. Die Antworten stehen noch aus.

Denn obwohl Jeki in der mehrjährigen Pilotphase zunächst nur einzelnen ausgewählten Klassen zur Verfügung stand, sollten damit auch Kinder aus bildungsferneren Schichten und unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern erreicht werden.

Doch auch beim hessischen Landesverband der Musikschulen, die das Projekt im Auftrag des Landes aufgebaut hat, sieht man eher schwarz. Denn nach der Pilotphase sollte das Programm ausgebaut werden. „Die Zeichen stehen jedoch nicht Richtung Ausbau, sondern bestenfalls auf Rettung“, so Projektleiter Hans-Joachim Rieß. Von den 70 Schulen in Hessen seien bereits drei wegen der geänderten finanziellen Rahmenbedingungen ganz aus dem Programm ausgestiegen.

Von Stefanie Salzmann

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