Künftig können Patienten die Verwendung ältere Behandlungsdaten verweigern

Datenschutz für Patienten

Dirk Marschler, Datenschutzbeauftragter am Klinikum Werra-Meißner an einer der zahlreichen Datenschutzmülltonnen, in die alles datenschutzrelevante Papier gehört. Foto: Stefanie Salzmann

Eschwege. Das Klinikum Werra-Meißner will die Rechte der Patienten zum Schutz ihrer persönlichen Daten stärken. Künftig sollen alle Patienten bei Aufnahme in das Krankenhaus die Möglichkeit haben, die Verwendung alter Daten aus früheren Aufenthalten zu verweigern.

Dazu werden sie bei der Aufnahme schriftlich informiert, dass bei Bedarf Archivdaten genutzt werden. „Wer möchte, kann die Zustimmung dann versagen“, so André Koch, Assistent der Geschäftsführung am Klinikum Werra-Meißner. „Datenschutz ist das Recht der Patienten, darüber im Vorfeld zu entscheiden, wer Zugang zu ihren persönlichen Daten haben darf“, sagt Koch.

Auch die ärztliche Schweigepflicht wurde stark ausgeweitet und gilt inzwischen auch unter den verschiedenen Fachärzten am Krankenhaus. So dürften an einer Behandlung nur jene Fachkräfte, vom Pfleger bis zum Facharzt teilnehmen, die damit unmittelbar zu tun haben. „Wenn beispielsweise bei einer Behandlung kein Chirurg vonnöten ist, geht der Datenschutz so weit, dass der Chirurg gehen muss.“ Auch bei Fallbesprechungen unter Fachärzten darf der Name des Patienten nicht mehr genannt werden.

Dieses Prinzip geht so weit, dass jeder Mitarbeiter vom Pflegepersonal bis zum Arzt nur eingeschränkte Zugriffsrechte auf das krankenhauseigene Informationssystem (KIS) hat. So kann der eine Facharzt nicht ohne Indikation aus einer Behandlung heraus auf die Daten seiner Kollegen zugreifen.

Das gleiche gilt für das Krankenhausarchiv. „Es muss nachvollziehbar sein, wer und warum jemand Akten geholt oder angefordert hat, so Dirk Marschler, der seit 2008 Datenschutzbeauftragter am Klinikum in Eschwege ist. Seitdem haben sich in puncto Datensicherheit im Krankenhaus zahlreiche Änderungen ergeben. So sind die Glasscheiben, die Schwesternzimmer und Korridore trennen bis über Augenhöhe abgeklebt, damit offenen Akten oder Medikationen für andere nicht sichtbar sind. An den Krankenzimmern selbst sind keine Namensschilder mehr angebracht. Wer also Angehörige besuchen will, muss wissen, wo sie zu finden sind. Denn auch die Rezeption darf darüber keine Auskunft geben.

Im vergangenen Jahr wurde das mit einem Strichcode versehene Patientenarmband eingeführt, das jeder Patient bei Aufnahme erhält. Auch darauf ist der Name nur ganz klein gedruckt und nur für Adleraugen zu entziffern.

Auch Papierkörbe sind Vergangenheit. Stattdessen gibt es die sogenannte Datenschutzmülltonne. Die verschlossenen Metallbehälter sind in fast jedem Flur zu finden und werden von einer Spezialfirma geleert, die das Datenmaterial nicht nur schnipselt, sondern gleich zu Papierballen presst. Ausgediente Computerfestplatten werden mit Hilfe von Magneten zerstört, CDs und DVDs geschreddert.

„Wir müssen unsere Datenschutzrichtlinien immer wieder neuen Systemen anpassen“, sagt Marschler. „Datenschutz lebt und wandelt sich.“ Er räumt ein, dass das System nicht nur komplex, sondern auch kompliziert ist. „Das müssen die Patienten nicht verstehen. Wir müssen aber sicherstellen, dass der Datenschutz in vollem Umfang gewährleistet ist.“

Von Stefanie Salzmann

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