Ja, ist denn schon Ostern?

Aktionstag zur Glücksspielsucht: Bewusstsein schaffen

Eschwege. 160 Schokoladenhasen standen auf dem Marktplatz in Eschwege und hielten kleine Protestschilder hoch. Da schauten die Passanten nicht schlecht. Aber genau das sollen sie. Ja, ist denn schon Ostern? Ist das nicht bei Weitem zu früh? „Die Probleme können gar nicht früh genug angegangen werden“, hält die Hessische Landesstelle für Suchtfragen dagegen.

Besonders dann, wenn es um Glücksspielsucht geht. Deshalb wollten 15 Fachberatungen mit einem hessenweiten Aktionstag ein Bewusstsein für die Dimension der Glücksspielsucht schaffen. Denn gerade Prävention und Aufklärung können hier helfen, etwa die wirtschaftliche Existenz von ganzen Familien zu bewahren. In Hessen werden jährlich rund 29 Millionen Euro beim Glücksspiel an Automaten verspielt. Allein in Eschwege landeten im vergangenen Jahr über vier Millionen Euro in den Kassen der örtlichen Spielhallenbetreiber. „Und diese Summe, das muss man sich klarmachen, ist der Gewinn der Betreiber, aber gleichzeitig der Verlust der Spieler“, sagt Eva Bohr von der Fachberatung für Glücksspielsucht des Diakonischen Werks in Eschwege. Vor allem junge Männer seien es, die den überwiegenden Teil der Süchtigen ausmachten. Sie verschuldeten sich teilweise hoch und rissen ihre Familie mit in den sozialen Abstieg.

Als erstes Bundesland hatte Hessen eine Sperrdatei für Glücksspielsüchtige eingerichtet, in der sich diese freiwillig selbst sperren lassen können. Denn die Versuchung zu bekämpfen, ist ein großes Problem der Betroffenen. Bereits in den ersten 15 Monaten haben sich 10 000 Süchtige sperren lassen. Die Vertreter der Fachstelle für Suchthilfe und Prävention in Eschwege,Eva Bohr und Harald Nolte, möchten aber auch, dass die Lokalpolitik das Problem in ihren Gremien thematisiert. So forderten sie, dass bereits bestehende Regeln des Spieler- und Jugendschutzes im Werra-Meißner-Kreis durchgesetzt werden und dass keine neuen Spielhallen oder anderen Glücksspielangebote genehmigt werden. Auch, dass die Präventionsarbeit etwa in Schulen verstärkt wird. Eschweges Bürgermeister Alexander Heppe und Sozialdezernent Reiner Brill versprachen, dass Anliegen weiterzutragen und unter anderem im Ausschuss für Soziales zu besprechen. Aufklärung und Prävention halten auch sie für wichtig. „Es geht ja nicht um Verbote, sondern auch darum, ein Bewusstsein für den verantwortungsvollen Umgang mit dem Glücksspiel zu schaffen“, sagt Alexander Heppe. „Die Spieler müssen über sich selbst reflektieren.“ Und vielleicht könnten Jugendliche durch Prävention gegen die Verlockungen gestärkt werden.

Von Kristin Weber

Schokohasen-Demo gegen Glücksspielsucht

Schokohasen-Demo gegen Glücksspielsucht

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