Dialyse-Patienten fürchten Folgen

Pauschale für Blutwäsche gekürzt

Werra-Meißner/Hann. Münden. Im internationalen Vergleich kann sich hierzulande die Qualität der Behandlung von Patienten, die regelmäßig Butwäsche brauchen, sehen lassen. Doch nach einer Absenkung der Pauschale für die Dialyse-Sachkosten fürchten Patienten Einschnitte in der Versorgung.

So ist die Vergütung beispielsweise für Personal, Material und Miete seit 1. Juli von 173 auf 155 Euro gesunken. In Nordhessen sind schätzungsweise 800 bis 1000 Dialyse-Patienten betroffen.

"Das wird hart für uns Patienten", sagt Jürgen Sattler, Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Nierenkranken Nordhessen. Auch wenn die Folgen jetzt noch nicht spürbar seien, so seien die Patienten verunsichert. "Sparen werden die Einrichtungen, so vermuten wir, am Personal", sagt Sattler. Nierenkranke seien jedoch in hohem Maße abhängig von der Qualität der Therapie. So müssten Dialyseschwestern und -pfleger schnell und kompetent handeln, wenn während der Blutwäsche Komplikationen auftreten.

"Trotz Kürzungen bieten wir weiterhin gleichbleibende Qualität an, da es sich immerhin um eine lebenserhaltende Behandlung handelt", gibt Anne Große Vorholt, Leiterin Marketing-Kommunikation der gemeinnützigen Stiftung Patientenheimversorgung (PHV), Entwarnung. Die PHV verwaltet bundesweit 88 Zentren, im Werra-Meißner-Kreis sind es zwei: In Witzenhausen werden 30, in Eschwege 90 Patienten betreut. Da sich die Vergütung nach Größe der Einrichtung und Anzahl der Patienten richtet, könne die PHV die Kürzung innerhalb der 88 Zentren besser auffangen.

"Wir haben nicht vor, kürzere oder minderwertige Behandlung anzubieten, sondern werden an anderer Stelle einsparen", sagt Große Vorholt. Man befinde sich gerade in Verhandlungen mit Lieferanten und sei dabei die Arbeitsvorgänge umzustrukturieren. "Es sind keine Entlassungen geplant, Neueinstellungen hingegen werden aber auch nur bei einer enorm ansteigenden Patientenzahl stattfinden", erklärt Große Vorholt. Die Stiftung werde sich dafür einsetzen, dass eine für das nächste Jahr geplante, zweite Absenkung nicht kommt, versicherte Große Vorholt.

20 von den 100 Millionen Euro, die durch die Absenkung der Pauschale eingespart werden, fallen auf das Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation (KfH). Unter den 200 Zentren, die das KfH betreibt, befindet sich auch die Klinik in Hann. Münden, in der 100 Patienten, teilweise auch aus dem Werra-Meißner-Kreis, behandelt werden. Dort werden die Kürzungen ebenfalls durch eine Optimierung der Abläufe kompensiert. "Wenn die zweite Stufe in Kraft tritt, geht kein Weg an einigen Schließungen vorbei", sagt Andreas Bonn, Sprecher des KfH. Dies würde eine wohnortnahe Patientenversorgung erschwerten. (hei/gsk)

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