Digitalfunk-Umrüstung schreitet im Kreis voran: Leitstelle noch mit Provisorium

Viel Technik: Jens Ehrhardt, Sprecher der Feuerwehr Witzenhausen, zeigt die neue Ausstattung des Einsatzleitwagens. Feuerwehr und Rettungsdienst funken neuerdings auf verschiedenen Kanälen, können aber auch direkt miteinander sprechen. Fotos: Steensen

Werra-Meissner. Die Ausstattung der heimischen Feuerwehren mit den neuen Digitalfunkgeräten schreitet voran, die Technik ist bereits im Einsatz.

Laut Kreisbrandinspektor Christian Sasse haben alle 16 Kommunen ihre Wehren bereits mit Handfunkgeräten ausgerüstet, sechs bauen noch Technik in die Fahrzeuge ein. Insgesamt erhalten im Kreis 131 freiwillige Feuerwehren und eine Werksfeuerwehr die neue Technik.

Eigentlich sollte der Digitalfunk auch bereits voll funktionstüchtig sein. Doch die Leitstelle kann immer noch nicht alle neuen Funktionen nutzen. Der Grund: Wegen eines Formfehlers in der Ausschreibung für die Leitstellentechnik in Hessen hatte der unterlegene Anbieter Klage eingereicht. Daher musste die Umrüstung der Leitstellentechnik, die eigentlich Ende 2014 abgeschlossen sein sollte, neu ausgeschrieben werden. Kreisbrandinspektor Sasse hofft, dass Ende 2016 endlich alles funktioniert. Derzeit arbeite man mit einer Zwischenlösung, die Wehren würden den neuen Funkstandard aber eingeschränkt nutzen können.

Damit das möglich ist, haben die acht ehrenamtlichen Kreisausbilder für den Sprechfunk in 83 Schulungen an Freitagen und Samstagen insgesamt 1400 Feuerwehrleute in die Bedienung der neuen Technik eingewiesen.

Die Kosten für die Umrüstung auf die neue Technik müssen die Kommunen übernehmen, in Witzenhausen etwa sind dafür laut dem früheren Stadtbrandinspektor Hans-Heinz Staude etwa 400.000 Euro eingeplant, inklusive neuer Alarmierungstechnik. Das Land Hessen gibt lediglich 30 Prozent zu den Kosten dazu - wie beim Kauf neuer Feuerwehrfahrzeuge auch. Allerdings trägt das Land auch die gesamten Kosten für Aufbau, Betrieb und Wartung des Netzes. In Niedersachsen müssen die Kommunen nicht nur die Anschaffung, sondern auch 30 Prozent der Betriebskosten übernehmen.

Hintergrund: Einheitliches Funknetz für alle Bundesländer 

Zur Stärkung der inneren Sicherheit wird derzeit in Deutschland ein einheitliches digitales Funknetz aufgebaut, das die analogen Systeme der Länder ablöst. Das neue System beruht auf dem internationalen TETRA-Standard.

Es ermöglicht erstmals den direkten Funkverkehr zwischen allen deutschen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) - künftig funken Feuerwehr, Polizei, Technisches Hilfswerk, Rettungsdienste, Zoll und Katastrophenschutzbehörden mit identischer Technik. Laut hessischem Innenministerium wird das neue BOS-Netz mit rund 500.000 Nutzern das weltweit größte zusammenhängende Digitalfunknetz sein.

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