41-Jähriger muss wegen Beutezug hinter Gitter

Mit Drogen und Diebesgut gedealt

Kassel / Sontra. Der Angeklagte schien zu ahnen, dass es nicht gut ausgehen würde für ihn. Den Rücken zum Publikum, den Blick zu Boden gerichtet, erwartete der 41-Jährige aus Sontra am Montag das Urteil des Kasseler Landgerichts. Es ging um den Diebstahl von mindestens 70 Fernsehern und anderen Elektrogeräten aus dem Lager des Paketdienstes DHL in Ludwigs-au. Nach vier Verhandlungstagen hatte die Strafkammer keinen Zweifel: Der dreiste Beutezug ging auf das Konto des gelernten Maurers.

Zu fünf Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilte ihn das Gericht – nicht allein wegen des Diebstahls. In das Strafmaß flossen dreieinhalb Jahre Haft mit ein, die das Amtsgericht Eschwege Anfang 2012 verhängt hatte und die der Mann bereits zu guten Teilen verbüßt hat. Damals hatte er sich verantworten müssen, weil er kiloweise Amphetamin („Speed“) aus Holland geholt und in Nordhessen verkauft hatte.

Dass die Drogendeals aufgeflogen waren, war ein Nebeneffekt der Ermittlungen bei DHL gewesen. Bei einer Razzia im Mai 2011, als beim Angeklagten eigentlich die verschwundenen TV-Geräte gesucht wurden, war die Polizei über die Amphetaminvorräte gestolpert. Aber auch auf 51 Flachbildfernseher stießen die Beamten. Und auf eine Liste, mit der der 41-Jährige Buch geführt hatte über den Verkauf des Diebesguts. Den Neuwert der Waren bezifferte er darin auf exakt 83 058,98 Euro.

Für die vielen Kisten und Pakete hatte er eigens einen Lagerraum in Eschwege gemietet. Und er plante, für den Handel mit der Beute gar ein Gewerbe anzumelden. „Das Maß an krimineller Energie war recht erheblich“, befand Strafkammervorsitzender Jürgen Dreyer – und nahm dem Angeklagten seine Version nicht ab. Der Mann hatte beteuert, die Fernseher lediglich von einem Bekannten (dessen Namen er nicht nennen wollte) zur Aufbewahrung bekommen zu haben. Ohne zu wissen, woher sie stammten.

Für Gericht und Staatsanwaltschaft dagegen stand fest: Der 41-Jährige hat den Diebeszug selbst eingefädelt und durchgezogen – zusammen mit seinem Bruder, der damals bei DHL beschäftigt war. Und der wusste: Es reichte, den Pförtner zu bestechen, um mit einem Lkw auf dem Gelände unbemerkt die Geräte einladen zu können. Weil es sich um Waren handelte, die von Internetgroßhändlern langfristig eingelagert waren, würde ihr Fehlen zunächst gar nicht auffallen.

Dem Bruder, der in dem Prozess als Zeuge aufgetreten war, droht nun ein eigenes Strafverfahren. „Ich sehe ihn als Mittäter an“, sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Göb. „Das wird noch Konsequenzen haben.“ (jft)

Kommentare