Interaktive Schau soll für das Thema häusliche Gewalt sensibilisieren

„Echt Fair“ - Ausstellung der AFS

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Letzte Handgriffe vor der Ausstellungseröffnung: Die Gleichstellungsbeauftragte Thekla Rotermund-Capar (links) beim Aufbau der Ausstellung „Echt Fair“.

Eschwege. Mit der interaktiven Ausstellung „Echt Fair“ , die heute Abend im Foyer der Anne-Frank-Schule eröffnet wird, sollen Kinder und Jugendliche spielerisch trainieren, wie sie Gewalt als solche erkennen, sie verhindern können und wo sie für sich oder für ihre Eltern Hilfe holen können.

Die Ausstellung, die sich an Schüler der 5. bis 8. Klassen richtet, wurde entwickelt von der Berliner Interventionszentrale bei häuslicher Gewalt (BIG) und vom Runden Tisch gegen häusliche Gewalt im Werra-Meißner-Kreis für 14 Tage nach Eschwege geholt.

Die Schau besteht aus sechs sogenannten Erlebnisstationen, die sich mit Formen von Gewalt, Arten der Konfliktlösung, dem Rollenverständnis zwischen Mann und Frau, dem Recht, aber auch mit Gefühlen beschäftigen. An allen Stationen werden Fragen gestellt, die Schüler zur Auseinandersetzung mit Situationen auffordern und animieren.

So werden an der Station „Gewaltig!“ auf beweglichen Magneten verschiedene Situationen körperlicher und psychischer Gewalt beschrieben wie „Der Mann von Frau G. beschimpft sie täglich: „Du dumme Kuh, du bist zu nichts zu gebrauchen.“ oder „Tom und Kim können nicht schlafen, aus Angst, dass der Vater wieder die Mutter schlägt“. Die Schüler sollen die Situation auf einem Gewaltbarometer platzieren. „Das“, so sagt die Gleichstellungsbeauftrage Thekla Rotermund-Capar, „gibt viel Auskunft darüber, was Kinder und Jugendliche in ihrem Alltag gewohnt sind.“

An der Station „Gefühl“ werden die Schüler unter anderem aufgefordert, sich vor einem Spiegel in andere Rollen, wie beispielsweise die eines alten einsamen Mannes im Park zu versetzen oder eines Lehrers, dem niemand zuhört.

Zwölf Klassen der Anne-Frank-Schule, der Paul-Moor-Schule und der Beruflichen Schulen werden kommende Woche die Ausstellung besuchen, betreut und angeleitet von Ausstellungsbegleitern. Gemeinsam mit Lehrern soll das Erlebte im Unterricht nachbereitet werden.

Aber nicht nur bei Kindern, die in allen Fällen häuslicher Gewalt leiden, soll mit der Ausstellung das Bewusstsein geschärft werden. „Wir wollen vor allem Lehrer und Erzieher für das Erkennen und den Umgang mit häuslicher Gewalt sensibilisieren und unser Hilfesystem vorstellen“, sagt Rotermund-Capar. „Die Kinder sollen spüren, dass sie sich Hilfe holen können.“

Jährlich werden bei der Polizei im Werra-Meißner-Kreis zirka 180 Fälle häuslicher Gewalt angezeigt, so der Leiter der Polizeistation Sontra und Koordinator für das Thema häusliche Gewalt im Kreis, Wolfgang Thiel. „Unser Ziel ist es, häusliche Gewalt öffentlich zu machen“, sagt er.

Die Ausstellung wird heute um 18 Uhr im Foyer der Anne-Frank-Schule eröffnet. Neben der Vorstellung des regionalen Hilfesystems wird die Berliner Soziologin Prof. Dr. Barbara Kavemann, bekannt unter anderem durch ihre Studien über sexuellen Missbrauch, einen Vortrag „Häusliche Gewalt und die Folgen für Kinder“ halten.

Von Stefanie Salzmann

Interessierte Schulklassen der Jahrgangsstufen sieben und acht können in der kommenden Woche die Ausstellung besuchen und sich dazu unter 0 56 51/ 302-3170 im Büro der Gleichstellungsbeauftragten anmelden.

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