Ehrenbürgermeister Jürgen Zick hat fast immer zum Fest Geburtstag und mag das

Johannisfest hat Vorrang

Feiert sein 58. Johannisfest: Eschweges Ehrenbürgermeister Jürgen Zick als Schüler beim Maienzug 1960, als Bürgermeister auf dem Johannisfest 2008 und heute als stolzer Großvater – hier mit seinem jüngsten Enkel Felix. Fotos: privat

Eschwege. Zum 58. Mal feiert Eschweges Ehrenbürgermeister Jürgen Zick das Johannisfest. Erstmals dabei war er als Sechsjähriger im Jahr 1957. „Wir sind erst 1956 nach Eschwege gezogen, ich bin also nicht mit Werra-Wasser getauft - wohl die einzige dunkle Stelle in meiner Biografie“, sagt Zick. Das Johannisfest allerdings habe ihn von Anfang an fasziniert.

Besonders stolz war er, dass er ab 1958 als Schüler mitlaufen konnte. „Ich durfte sogar die Fahne der Schule tragen – eine ganz besondere Ehre“, erinnert sich Zick. Auch habe er sich gerne die größte Maie ausgesucht. Später als Bürgermeister hatte er dann die Idee, die größte und schönste Maie prämieren zu lassen. „So wollte ich die Schüler animieren, nicht nur mit einem kleinen Zweig einzulaufen“, sagt Zick. Ein richtiger Wald sollte es sein.

Das besondere für Zick am Johannisfest ist: Er hat am 4. Juli Geburtstag – und das ist in der Regel fast immer während des Johannisfestes. Doch habe ihn das nie gestört, erzählt Zick: „Im Gegenteil: Man muss sich um den Ablauf seines Geburtstages keine Gedanken machen, das Johannisfest hat natürlich Vorrang.“ Um nichts in der Welt würde er das Gänsehaut-Gefühl beim gemeinsamen Singen des Dietemannliedes auf dem Eschweger Marktplatz verpassen wollen.

„Der Geburtstag ist ein persönliches Ereignis, das Johannisfest ist ein Ereignis für die Stadt – das passte wunderbar zum Amt des Bürgermeisters.“

Jürgen Zick Ehrenbürgermeister

„Der Geburtstag ist ein persönliches Ereignis, das Johannisfest ist ein Ereignis für die Stadt – das passte wunderbar zum Amt des Bürgermeisters“, sagt Zick. 24 Jahre bis zum Jahr 2009 war Zick Bürgermeister der Kreisstadt, das bedeutet auch 24 Johannisfest-Gedichte – die er alle selbst geschrieben hat. „Allerdings oft erst auf die letzte Sekunde, denn dafür muss man bereits in Johannisfest-Stimmung sein“, sagt er. Und natürlich hat er sie alle Zuhause gesammelt. Eingeführt hat er in seiner Amtszeit auch das gemeinsame Kränzewickeln am Freitagabend mit den Gästen aus den Partnerstädten.

Die wichtigsten Tage des Johannisfestes sind für ihn der Samstag und der Sonntag. Deshalb freut er sich auch ganz besonders, wenn sein Geburtstag, wie in diesem Jahr, auf einen dieser Tage fällt. „Das sind die traditionellen Johannisfesttage“, sagt Zick. Früher trafen sich die Leute in kleinen Gruppen am Freitagabend, um die Kränze und Girlanden zu wickeln. „Das war sehr klein und beschaulich“, erinnert er sich. Nach dem Maienzug am Samstag seien die Schüler zum Tanzkreis auf dem Werdchen gezogen und hätten dort ihre Fahnen am Musikantenhaus abgestellt, das heute nicht mehr existiere. „Dann spielte die Kapelle und es wurde getanzt.“ Die Fahnen blieben dann auf dem Werdchen bis zum Sonntagabend, so die Fahnenträger sie dann wieder abholten. Am Sonntag liefen die Schüler festlich gekleidet ganz in weiß und mit Schärpe beim Festumzug mit. Die passenden Kleidungsstücke kaufte man beim Modehaus Koch in der Herrengasse oder im Textilhaus Käbberich am Stad.

Das Johannisfest habe sich eben weiterentwickelt, irgendwann kam der Auftakt am Donnerstag hinzu. Es sei aber gut, dass das Fest auf wenige Tage beschränkt bleibe, sonst würden die einzelnen Tage an Attraktivität verlieren. „Eben lieber kurz, aber dafür intensiv feiern“, betont er. Und was auf keinen Fall fehlen darf: Die Bratwurst. „An manchen Johannisfesten schaffe ich wohl eine zweistellige Anzahl“, verrät er augenzwinkernd.

Von Diana Rissmann

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