In der halbvollen Eschweger Stadthalle genießt das Publikum die brillante Komödie „Der Vorname“

Der Abend hat erst angefangen und es herrscht noch ungetrübte Harmonie: Martin Lindow als Vincent, Anne Weinknecht als Elisabeth und (stehend) Christian Kaiser als Pierre.

Eschwege. Ein Abend unter Freunden in einer Pariser Wohnung. Die Lehrerin Elisabeth und ihr Mann, der Literaturprofessor Pierre, haben den Musiker Claude, Elisabeths Bruder Vincent, einen Immobilienmakler, und dessen schwangere Lebensgefährtin Anna zu einem gemütlichen Abend eingeladen.

Alle sind kultivierte, etwas links angehauchte Mitglieder der oberen Mittelklasse, die schon seit der Kindheit freundschaftlich eng verbunden sind.

Es verspricht ein angenehmer Abend unter Freunden zu werden - bis Vincent verkündet, dass sein und Annas Kind Adolphe heißen wird. Allgemeines Entsetzen darüber, den Vornamen Hitlers, auch wenn in der französischen Form, gewählt zu haben. Nach hitzigen Debatten beruhigen sich die Gemüter, nachdem Vincent die Geschichte mit dem Vornamen als Scherz deklariert.

Aber die Diskussion hat Wunden hinterlassen, nun stehen lange Zeit unterdrückte Vorwürfe in der Luft: Vincent soll ein Egoist sein, Pierre ein Geizhals. Und Claude ein Homosexueller. Jetzt werden die verbalen Degen gezogen, die kultivierte Fassade bröckelt. Und die erbitterte Auseinandersetzung endet fast in einer Katastrophe, als Claude von seiner erwiderten Liebe zu Francoise, der Mutter von Vincent und Anna mit bewegenden Worten erzählt. Am Schluss haben sich die Wogen einigermaßen geglättet, die Freundschaften werden weiter bestehen – und der Zuschauer erfährt, dass der erwartete Junge doch ein Mädchen sein wird. Und es soll Francoise heißen. Mit ihrem ersten Theaterstück „Der Vorname“ ist den Franzosen Mattieu Delaporte und Alexandre dela Patellière eine glanzvolle Komödie gelungen, die, nach riesigen Erfolgen in Frankreich und auf mehreren deutschen Bühnen, jetzt in einer Produktion des renommierten Eurostudios am Freitag in der Stadthalle aufgeführt wurde: mit durchschlagendem Erfolg.

Denn das brillante Konversationsstück über eine Beinahe-Katastrophe wurde von Regisseur Ulrich Stark meisterhaft inszeniert. In der Ausstattung von Marlies Frese zauberte der Regisseur eine echt wirkende Atmosphäre, in der ein herausragendes Ensemble sich überzeugend bewegte und sprach. Anne Weinkert, Christian Kaiser, Benjamin Kernen, Martin Lindow und Julia Hansen füllten ihre Rollen mit echtem Bühnenleben. Es war ein Theaterabend nach Maß: mit den oft witzigen, immer treffenden Dialogen. Nur eines war nicht nach Maß: die vielen leer gebliebenen Ränge in der Stadthalle –wohl weil es bei den Darstellern keinen „fernsehbekannten“ Namen gab?

Die Glücklichen aber, die diesen Abend erlebten, spendeten sehr lange anhaltenden, stürmischen Schlussapplaus.

Von Francisco Pujiula

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