Eschweger Gastroenterologie stellt erstmals Darmflora mittels Fremdstuhls wieder her

Heilung mal anders: Neues Verfahren am Klinikum Eschwege getestet

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Hochkonzentriert: Dr. Heinz Berkermann bei der ersten Stuhltransplantation am Klinikum Werra-Meißner. Fotos: Skupio/ Klinikum WM

Eschwege. Zum ersten Mal wurde in der gastroenterologischen Abteilung des Klinikums Werra-Meißner eine gefährliche Darmentzündung mit der Transplantation gespendeten Stuhl wiederhergestellt. Damit ist das Haus eine von 21 Kliniken in ganz Deutschland, die diese Heilmethode praktizieren.

Dr. Heinz Berkermann

„In Deutschland gibt es rund 2100 Kliniken, Eschwege gehört also nun zu einem Prozent der Krankenhäuser, die diese Methode erfolgreich umgesetzt haben“, berichtet Dr. med. Heinz Berkermann, der Chefarzt der Abteilung Gastroenterologie im Klinikum Werra-Meißner nicht ohne berechtigten Stolz. Patienten leiden nach einer intensiven Antibiotikatherapie oftmals unter einer gestörten Darmflora, die weitaus anfälliger für Bakterien ist.

Das Bakterium Clostridium difficile, welches sich in jedem gesunden Darm findet, kann sich bei einer gestörten Darmflora unkontrolliert vermehren und verursacht dann eine Darmentzündung und starken Durchfall.

„Diese Entzündung kann dann zu einer Aufweitung des Dickdarms mit schwerer Infektion und schließlich zu dessen Perforation führen“, erklärt der 60-Jährige. Ein Krankheitsverlauf, der zum Tode führen kann und als Alternative bisher nur die Entfernung des Darmes bot. „Unsere 85-jährige Patientin litt seit diesem Frühjahr unter solch einer extremen Darmentzündung. Bis zu 20-mal am Tag hatte sie Durchfall, außerdem Bauchkrämpfe und wurde zunehmend schwächer“, erzählt Dr. Berkermann.

Zunächst versuchte das Team der Gastroenterologie, die Erkrankung mit Hilfe von unterschiedlichen Medikamenten in den Griff zu bekommen. Die Patientin wurde stationär aufgenommen, die Behandlungen schlugen jedoch alle nicht an.

„Als wir Gespräche mit der Patientin und ihrer Tochter über eine mögliche Stuhltransplantation führten, saß sogar schon der Chirurg mit am Bett, denn als letzte Möglichkeit blieb uns nur die Entfernung des Darms. Wir standen mit dem Rücken zur Wand“, erinnert sich Dr. Berkermann. Die als letzter Heilversuch unternommene 30-minütige Transplantation einer labortechnisch aufbereiteten Stuhllösung der Tochter an ihre Mutter ging reibungslos vonstatten und schlug an.

„Nach vier Wochen blieb auch die Nachkontrolle ohne Bakteriennachweis, so dass wir die lebensgefährliche Darmerkrankung vollständig heilen konnten“, lautet das Fazit des Chefarztes.

Von Wolfram Skupio

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