Wenn Fans beim Autokorso nicht über die Stränge schlagen, drücken Beamte ein Auge zu

Vor dem EM-Viertelfinale gegen Italien: Polizei will kein Spielverderber sein

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Party! Beim 4:1-Sieg der deutschen Kicker beim Fußball-WM-Spiel gegen England im Jahr 2010 gab es einen Autokorso durch die Walburger Straße in Witzenhausen. Zu riskant sollten die Kletterpartien auf dem Auto aber nicht sein, warnt die Polizei. 

Werra-Meißner. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft spielt morgen Abend, 21 Uhr, im Viertelfinale der Europameisterschaft gegen Italien. Sollte die deutsche Elf siegen, werden die Fans bestimmt kräftig feiern, beispielsweise mit Autokorsos.

Wie die Polizei darauf reagiert, darüber sprachen wir mit Rüdiger Willich, Leiter des regionalen Verkehrsdienstes.

Wie reagiert die Polizei auf Autokorsos und feiernde Fans? Drückt sie im Zuge der allgemeinen Euphorie ein Auge zu oder wird über die Einhaltung der Regeln genau gewacht?

Rüdiger Willich: Seitens der Polizei wird der Ermessensspielraum eine bedeutendere Rolle spielen und es werden weniger Verwarnungsgelder erhoben werden, als streng nach der Straßenverkehrsordnung festgelegt. Es kommt immer auf die jeweilige Situation an. Im Siegestaumel sollten keine unnötigen Risiken eingegangen werden. Gegen langsames Fahren unter Einhaltung der Verkehrsregeln, ohne Alkohol und nicht auf den Fahrzeugen stehend, wird keiner etwas sagen.

Wo ist die Grenze zwischen fröhlicher Feier und ernsthaftem Sicherheitsrisiko erreicht? Wo hört der Spaß auf?

Willich: Dort, wo eine Gefährdung anderer oder eine Selbstgefährdung zu erkennen ist. Trotz aller Euphorie dürfen Fans keine unnötigen Risiken eingehen. Bei allzu riskanten Manövern können die Teilnehmer unter anderem wegen Gefährdung des Straßenverkehrs belangt werden. Nicht alle Menschen haben übrigens Spaß am Fußball. Wie beim Feiern gilt auch bei Autokorsos, dass die Bedürfnisse anderer zu berücksichtigen sind.

Sind Autokorsos eigentlich grundsätzlich erlaubt?

Willich: Theoretisch müsste jeder Autokorso als Veranstaltung angemeldet werden, weil die Straßen dabei mehr als verkehrsüblich in Anspruch genommen werden, siehe § 29 StVO.

Was ist mit Hupkonzerten, dem Herauslehnen aus Fenstern und dem Überfahren roter Ampeln, um dran zu bleiben?

Willich: Das obligatorische Hupen ist streng genommen ebenfalls eine Ordnungswidrigkeit. Laut § 16 StVO dürfen Schall- und Lichtzeichen nur gegeben werden, wenn jemand sich oder andere gefährdet sieht. Des Weiteren wird die Verursachung von unnötigem Lärm in § 30 StVO reglementiert. Bitte anschnallen (§ 21 a StVO) gilt auch bei Autokorsos. Cabrio-Mitfahrer sollten also keine riskanten Kletterpartien ausführen. Auch weites Herauslehnen aus dem Fenster und Schiebedach sollte vermieden werden. Fahnen und Schals zu schwenken oder am Auto anzubringen, ist grundsätzlich erlaubt, sofern sie nicht die Sicht beeinträchtigen. Aufgrund des großen Gefährdungspotentials ist das Überfahren von roten Ampeln absolut tabu, genauso wie das Fahren unter Alkoholeinfluss.

Welche Strafen sind zu befürchten?

Willich: Bei gravierenden Verstößen wie Fahren unter Alkoholeinfluss oder Überfahren einer roten Ampel werden Straf- bzw. Bußgeldverfahren eingeleitet, die keine unbedeutenden Sanktionen mit sich bringen. Ansonsten gelten folgenden Verwarngeldtatbestände: unnötige Lärm- und Abgasbelästigung 10 Euro, unnützes Hin - und Herfahren 10 Euro, Sicherheitsgurt nicht angelegt 30 Euro, Sichtbeeinträchtigung zehn Euro und zu laute Musik zehn Euro.

Wird es beim heutigen und eventuell folgenden Spiel der deutschen Elf verstärkte Polizeipräsenz geben?

Willich: Selbstverständlich ist der Spielplan bekannt. Am heutigen Samstag kann es nach dem Spiel gegen Italien zu Autokorsos kommen. Dies wird in der Dienstplanung berücksichtigt.

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