Polizei bildet im Kreis 40 Sicherheitsberater für Senioren aus

Enkeltrick: Mehr Fälle in Nordhessen

Werra-Meißner. Im Raum Kassel und Göttingen haben sich zuletzt die Betrugsfälle mit dem Enkeltrick gehäuft, hessenweit waren es im Vorjahr 642 Fälle.

Auch im Werra-Meißner-Kreis gab es 2015 mehr Fälle – aber auf niedrigem Niveau. Laut Polizeisprecher Reiner Lingner wurden elf Fälle von Enkeltrick-Betrug im Kreis angezeigt. In den Vorjahren schwankte die Zahl zwischen zwei und acht.

Allerdings gehe man von einer sehr hohen Dunkelziffer aus, sagt Lingner. Das bestätigt Roger Dietrich von der Opferschutzorganisation Weißer Ring. In der Außenstelle Werra-Meißner werden auch Opfer von Trickbetrügern betreut. „Opfer schämen sind oft und sind auch wütend auf die Täter, aber auch auf sich selbst, dass sie auf die Masche reingefallen sind“, sagt Dietrich.

Um die Bevölkerung besser vor Trickbetrügern zu warnen, will die Polizei in einem hessenweiten Programm nun Sicherheitsberater für Senioren ausbilden, sagt Lingner. Die Polizei hofft, dass so auch das Wissen über neue Betrugsmaschen schnell verbreitet werden kann. Über 40 Interessierte hätten sich für die viertägige Schulung im Werra-Meißner-Kreis gemeldet. Die meisten Täter suchen im Telefonbuch nach Vornamen wie Adolf oder Alfred, die vermuten lassen, dass es sich um Senioren handelt, so Lingner. Hier rufen die Täter an, geben sich als Enkel aus und behaupten, dringend Geld zu benötigen. Die Polizei geht von einer hohen Versuchsrate aus. Für die Täter lohne es sich, wenn die Masche bei zwei von 100 Versuchen klappt, gibt Lingner zu bedenken.

Er bittet alle Opfer, sich auch nach einem Betrugsversuch sofort bei der Polizei zu melden. Nur dann gebe es überhaupt eine Chance, den Täter zu ermitteln. Dennoch können Fälle von Enkeltrickbetrug selten aufgeklärt werden, weil die Anrufer oft Handys nutzen, deren Nummer nicht zurückverfolgt werden kann: Im Werra-Meißner-Kreis wurde laut Lingner nur ein Fall aufgeklärt.

Von Friederike Steensen

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