Enno Bunger und seine Band schleppen noch selbst

Hier heißt es noch selber schleppen: Schlagzeuger Nils bugsiert seine Bassdrum in Richtung Bühne. Vom fehlenden Becken weiß er noch nichts.

Kein Nightliner. Keine Crew. Der kleine gelbe VW-Bus muss dreimal über den Parkplatz des Tegut-Supermarktes kurven, ehe er einen Parkplatz findet. Dann schälen sich fünf Jungs aus dem Auto - Enno Bunger und seine Band.

Sie kommen aus Ostfriesland, haben knapp fünf Stunden Fahrt hinter sich und zücken erstmal die Zigaretten, bis auf Enno, der raucht nicht. Dann gehts auf zum Weinzelt, wo sie am Abend spielen sollen. Lange Gesichter als sie das Zelt aus weißer Plane sehen, an dem nur der Name romantisch ist. „Wir hatten was anderes erwartet“, sagt Enno mit Blick auf die winzige Bühne, auf der eine vierköpfige Band untergebracht werden will, die inzwischen durchaus einen Namen hat.

 Gleich nach dem Abitur begann der heute 25-jährige Enno deutschsprachige Lieder zu schreiben, arbeitet als Barpianist und Organist. Doch schnell wurde aus dem Soloprojekt mit Bassist Bernd Frikke und Schlagzeuger Nils Dietrich eine Band. Texte und Musik sind tiefsinnig, nachdenklich und immer etwas melancholisch. „Ich mag traurige Musik“, sagt Enno, der selbst aber alles andere als ständig traurig ist.

Und weil Traurigkeit jetzt auch nichts hilft, laden die Jungs den Bus aus. Instrumente werden auf die Bühne geschleppt, zusammengebaut, bis Schlagzeuger Nils feststellt, dass ein Becken samt Ständer fehlt und wohl beim letzten Auftritt in Ingolstadt geblieben ist. Er ist sauer, aber auch gleich nicht mehr. Es geht auch ohne Becken.

Endlich Essen: Bananen und belegte Brötchen von Pastor Beyer.

Alle haben Hunger, aber Pastor Ralph Beyer, der die Band betreuen soll, kredenzt erstmal nur das letzte Stück Linzer Torte, das sich fünf hungrige Mäuler teilen.

Die Instrumente drängen sich auf kleiner Fläche, und der Soundcheck beginnt. Kurz nach 19 Uhr klingt alles halbwegs so wie es soll. Nebenan im Kleinkunstzelt beginnt die nächste Show und die verträgt eh keinen Soundcheck. Also gehts endlich in den Backstage, wo Pfarrer Beyer eine Kiste Käse- und Salamibrötchen und zirka drei Kilo Bananen wie für eine Fußballmannschaft besorgt. Widerstand bei der Band regt sich nur, als er mit alkoholfreiem Becks ankommt. Sie wollen Jever und zwar mit Alkohol. Die Zeit bis zum Auftritt vergeht mit Blödeln und Witze erzählen. „Was ist rund, braun und schreit? - Ein Kugelschreiber.

Von Stefanie Salzmann

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