Erfahrungsbericht über das Fahren mit einem Elektro-Auto: Alles kostet Energie

Lädt Strom für die nächste Fahrt: WR-Redakteurin Constanze Wüstefeld ist zwei Tage lang ein Elektro-Auto gefahren. Gut vier Stunden braucht der Wagen der Stadtwerke Eschwege, um wieder voll aufgeladen zu werden. An einer gewöhnlichen Steckdose dauert das doppelt so lange. Foto:  Deppe

Eschwege. Wie ist es, mit einem Elektro-Fahrzeug von A nach B zu kommen? WR-Redakteurin Constanze Wüstefel hat es ausprobiert - und ist geteilter Meinung.

Fast schneller, als man überhaupt gucken kann, wurde die Zahl auf dem Display kleiner. Wie bei einem Wasserzähler war unaufhörlich Bewegung darin, die mich etwas ängstlich machte. Wie soll ich noch nach Kassel kommen, wenn ich auf dem Weg zwischen Eschwege und Germerode schon 40 Kilometer an Reichweite eingebüßt habe und insgesamt nur 194 Kilometer verfügbar sind, die mit einmaligem Aufladen erreicht werden können?

Indem man die Heizung und jegliches andere elektronische Gerät ausschaltet, das sich in dem hochmodernen Auto befindet, das ausschließlich mit Strom betrieben wird und das die Stadtwerke Eschwege der Werra-Rundschau für zwei Tage zur Verfügung gestellt haben. Das zumindest wurde mir geraten, als ich das Auto abholte. „Jegliches Gerät zieht Energie aus der Batterie, das muss einem bewusst sein“, erklärt Markus Lecke, Geschäftsführer der Stadtwerke. Licht, Scheibenwischer und Sitzheizung - alles kostet Strom.

Das wird sofort deutlich, wenn man die Heizung ausschaltet - sofort stehen 30 Kilometer mehr an Laufleistung auf dem Tacho. Schuldbewusst mache ich die Heizung im Auto also aus - und in meiner Wohnung voll an, weil ich durchgefroren bin, als ich nach Hause komme.

Am nächsten Morgen beschließe ich also zunächst, die Heizung doch anzumachen - und bekomme große Augen, als ich von Kassel nach Hessisch Lichtenau fahre. Die Strecke schlängelt sich weitestgehend bergauf, was das Auto, das angenehm leise fährt, sofort bestraft. Aus lauter Angst, dass ich es nicht mehr nach Eschwege schaffe, obwohl ich das Auto am Abend zuvor aufgeladen hatte, habe ich meinen Kollegen Bescheid gesagt, wo meine Route entlangführt - und sie mich gegebenenfalls abholen müssten.

Das musste von denen Gott sei Dank keiner. Denn weil es ab Hessisch Lichtenau wieder bergab geht und sich die Batterie dann, wenn auch nur geringfügig, wieder auflädt, habe ich es problemlos in die Kreisstadt geschafft. In der war das Fahren mit dem E-Auto äußerst angenehm: Dank der starken Motorisierung legte ich an den Ampeln Blitzstarts hin und fuhr allen anderen davon - das kostete zwar wieder einiges an Energie, brachte mir aber eine Menge Spaß.

Kommentare