Prozess gegen 23-Jährigen aus dem Kreis und seinen Komplizen

Erpresser können auf milde Strafe hoffen

Kassel/Werra-Meissner. Auf eine Strafmilderung wegen Unzurechnungsfähigkeit können zwei wegen räuberischer Erpressung vor dem Landgericht Kassel angeklagte Männer hoffen. Ein 23-Jähriger aus dem Werra-Meißner-Kreis und sein 41-Jähriger Komplize aus Kassel gestanden am Donnerstag vor der 5. Strafkammer, in einer Wohnung in der Goethestraße auf der Suche nach Drogen gewesen zu sein.

Zwei junge Leute behaupten, im September 2014 dort von den Beschuldigten eingesperrt und mit einer Pistole bedroht worden zu sein. Ein damals 20-Jähriger konnte aus dem Fenster springen und die Polizei zu Hilfe rufen. Er verharrte zwei Stunden aus Angst auf einem Balkon. Ein Spezialeinsatzkommando durchsuchte derweil die Jugendstilvilla an der Ecke Querallee nach den vermeintlich bewaffneten Tätern. Die waren aber längst auf der Flucht. Nach Zeugenhinweisen wurden sie einige Tage später ermittelt. Seit Dienstag müssen sich die beiden Untersuchungshäftlinge vor Gericht verantworten.

„Diese Waffe war eine reine Attrappe“, die allerdings täuschend echt ausgesehen habe, beteuerte der unbeholfen anmutende 23-Jährige. Er gestand, dass er den 22-Jährigen einschüchtern wollte, den er aus früheren Drogengeschäften kannte. Er habe Stoff gewollt, aber kein Geld gehabt. Damals sei er massiv abhängig gewesen: „Ich habe alles quer Beet genommen, alles, was man sich vorstellen kann.“ Auch der 41-jährige Komplize sagte über seinen Zustand an jenem Septembertag: „Ich war so zugeballert, ich wollte nur meine Ruhe.“ Er habe nichts Böses im Sinn gehabt.

Beide Angeklagte seien zum Tatzeitpunkt vermutlich nicht zurechnungsfähig gewesen, sagte eine vom Gericht beauftragte Sachverständige. Für den 23-Jährigen aus dem Werra-Meißner-Kreis hält sie im Anschluss an die Haft ein Drogenentzug für angezeigt.

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