Historiker Dr. Karl Kollmann erklärt die Stadt im Ersten Weltkrieg

Historiker Dr. Karl Kollmann erklärt Eschwege im Ersten Weltkrieg

Dr. Karl Kollmann

Eschwege. Vor hundert Jahren brach der „Große Krieg" aus, der später allgemein der Erste Weltkrieg genannt wurde. Wie die Stimmungen und die Folgen dieses schrecklichen Krieges in Eschwege waren, darüber sprach der Historiker Dr. Karl Kollmann

Aus den Berichten und Bekanntmachungen im „Eschweger Tageblatt“, entstand ein klares, objektives Bild, wie Eschwege die vier Jahre des Krieges in der doch sicheren Heimat erlebte.

Am Anfang war die Kriegsbegeisterung groß - wie ein Foto des Eschweger Fotografen Tellgmann dokumentiert. Das Bild zeigt einen Eschweger Vater mit seinen fünf Söhnen, die, bereit für den Krieg, in Uniform stolz posieren. Sie hatten Glück, wie Dr. Kollmann sagte: Nur einer von ihnen fiel „auf dem Feld der Ehre“, wie es damals so pathetisch hieß. 343 Eschweger, Durschnittsalter 27 Jahre, hatten weniger Glück. Sie kehrten nicht zurück. Wobei die ersten beiden Eschweger Kriegsopfer durch eine tragische Verwechslung von den eigenen Leuten erschossen wurden.

Dr. Kollmann erzählte über die ersten patriotisch aufgeheizten Versammlungen der Kriegsvereine, über die langsam auftretenden Schwierigkeiten bei der Versorgung, über die später verordneten „fleischlosen Tage“, über die Rationierung von einigen Lebensmittel, über das sogenannte Notgeld, über das Erlahmen des sonst so blühenden Vereinslebens. Und über die Kriegsanleihen, von denen es insgesamt neun gab.

Auf einer Leinwand war der Aufruf zur siebten Kriegsanleihe zu sehen - die über 13 Milliarden Mark einbrachte. Auf dem Aufruf konnte man in fetten Buchstaben lesen: Der Krieg ist eine heilige Sache. Und trotzdem: Die Kriegsbegeisterung ließ immer mehr nach. Eine Eschweger Versammlung der Kriegsvereine im Oktober 1918 wurde, laut Zeitungsbericht, nur schwach besucht - einen Monat später hatten die Kampfhandlungen ein Einde.

Nach dem von der Historischen Gesellschaft und dem Geschichtsverein Eschwege in Kooperation mit der VHS veranstalteten, hochinteressanten Vortrag gab es eine rege Beteiligung der Zuhörer - mit Fragen an Dr. Kollmann oder mit eigenen, oft sehr emotionalen Einschätzungen.

Von Francisco Pujiula

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