Engagiert in der Suchthilfe

Erster Vollrausch als Kind: Portrait eines trockenen Alkoholikers

Früher Kontakt mit Alkohol ist nicht selten der Beginn einer Alkoholikerkarriere: Wie auf unserem Symbolbild zu sehen, spielt der Umgang mit Alkohol im Elternhaus dabei eine Rolle. Foto: Lange

Eschwege. Den ersten Kontakt mit Alkohol hatte Christoph Eckbert (Name von der Redaktion geändert) mit zwölf Jahren. Nach etlichen Abstürzen ist der heute 57-Jährige trocken.

Vom Großvater bekam er als Kind einen Schnaps gegen das Lampenfieber vor dem Krippenspiel an Heiligabend. Mit 13 trank er regelmäßig Bier, mit 18 Jahren folgte der erste Entzug. Seit 2003 ist er trocken. Dazwischen lagen unzählige Abstürze und Alkoholexzesse.

Eckbert arbeitet ehrenamtlich in der Betreuung ehemaliger Trinker und weiß, was Sucht bedeutet. „Meine Eltern waren Schläger und haben selbst auch getrunken“, sagt er und sieht das als eine Ursache seiner Suchtkarriere. Eine andere: „Beim Spielmannszug wurde regelmäßig Alkohol getrunken.“ Und er war mittendrin. Andere konnten damit umgehen, Christoph Eckbert nicht.

Die eigene Konfirmation war der Tag des ersten richtigen Besäufnisses – wie bei so vielen anderen jungen Menschen. Der Unterschied: „Wenn andere aufhörten, weil sie es konnten, musste ich weiter trinken bis zum Koma.“ Von den Eltern und dem Großvater sei er in die Versagerrolle gedrängt worden. Die nahm er an. Angst wurde mit Alkohol bekämpft, vermeintliches Versagen mit Dauerrausch kompensiert.

1976 dann der erste Entzug: Nach der fast einjährigen Langzeittherapie schien der Absprung gelungen. 13 Jahre blieb Eckbert trocken, 1990 folgte der Rückfall. „Ich dachte, ich habe das im Griff.“ Hatte er aber nicht. Nach einem Jahr war der Konsum wieder exzessiv: zehn Flaschen Bier oder zwei Flaschen Wein, dazu eine Flasche Calvados und Haschisch. „Irgendwann habe ich dann auch Kokain probiert“, erzählt der 57-Jährige. Eckbert: „Brachte mir aber nichts. Koks hielt mich wach, ich wollte aber nicht wach bleiben.“

Er habe allein getrunken, wollte das beruhigende Gefühl, das der Rausch ihm gab. Alkohol gehörte einfach dazu. 2003 folgte der absolute Tiefpunkt. „Ich bin volltrunken von der Autobahn geflogen und habe vier Stunden bei minus 14 Grad im Auto gelegen.“ Erst dann wurde er von einem Lkw-Fahrer entdeckt. 160 Kilometer war er bis dahin durch die Nacht gefahren – mit 2,3 Promille, wie sich bei der späteren Blutprobe herausstellte.

Der Führerschein war weg, lange 13 Monate und sechs Tage. „Das hat mich 30.000 Euro gekostet“, sagt Christoph Eckbert. Diese letzte Alkoholfahrt und die Folgen seien letztlich der entscheidende Auslöser für den Ausstieg aus der Sucht gewesen. „Als ich endlich trocken war, wollte ich meine ganze Umgebung trocken legen“, erzählt er. Das ist heute wieder anderes.

Bedeutet die Abstinenz Verzicht? „In keinster Weise“, sagt Eckbert, „ganz im Gegenteil: Ich habe unglaublich viel Lebensqualität gewonnen und belohne mich heute anders, beispielsweise mit einem guten Kaffee.“

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