Eschweger Polizisten reanimieren Kollegen, der beim Sport zusammengebrochen war

Mit dem Defi Leben gerettet

Haben keine Sekunde gezögert: Die Eschweger Polizisten Jörg Künstler (links) und Karsten Grubbe haben während des Polizeisports vergangene Woche einem herzkranken Kollegen mit einem Defibrillator das Leben gerettet. Foto: Stück

Eschwege. Dem 55-jährigen Polizeibeamten sei plötzlich schlecht geworden, dann versagte der Kreislauf. Mitten in der Sporthalle am Heuberg musste sich der Mann hinsetzen. Die Kollegen kümmerten sich sofort.

„An seinem Blick habe ich gesehen, dass hier ernsthaft etwas nicht stimmt“, sagt Polizeioberkommissar Karsten Grubbe. Er informiert den Notarzt und sucht dann den Defibrillator in der Heuberghalle. Zusammen mit seinen Kollegen setzt er das Gerät sofort ein und rettet damit dem Freund und Arbeitskollegen das Leben.

Die acht Polizisten haben Ende vergangener Woche gemeinsam Sport getrieben. Von dem 55-jährigen Kollegen war bekannt, dass er Probleme mit dem Herzen hat. Deswegen haben Karsten Grubbe und Jörg Künstler nicht gezögert, den Defibrillator einzusetzen.

„Aber auch in allen anderen Fällen hätten sie nichts falsch gemacht“, sagt Bernd Hildmann, Ausbilder und Technischer Leiter der DLRG Werra-Meißner. Denn der Defibrillator entscheide selbst, ob er nötig ist oder nicht gebraucht wird. Nur anschalten muss man das Gerät.

„Der Defibrillator vermittelt das Gefühl, dass alles seine Richtigkeit hat“, sagt Bernd Schanze, der ebenfalls an der Rettung beteiligt war, über die Anweisungen, die die weibliche Stimme immer wieder erklärt. Zwischendurch habe die Maschine bei dem Zusammengebrochenen die Herzströme gemessen und zur Herzmassage und Lungenbeatmung angeleitet. Trotzdem setzten Puls und Atmung aus, das Herz schlug nicht mehr. Mit den Pads hat Grubbe dem Kollegen dann einen Stromstoß versetzt, der es in sich hatte. „Er hat einen ordentlichen Sprung gemacht“, kann Grubbe jetzt, da sein Freund den Zusammenbruch überlebt hat, über die Rettung schmunzeln.

Juristisch, so Hildmann, habe niemand etwas zu befürchten. „Viele“, sagt er, „haben Angst, verklagt zu werden, wenn der Betroffene am Ende doch stirbt.“ Aber das passiere nicht. Wer sich unsicher fühlt, dem empfiehlt der DLRG-Mann einen Erste-Hilfe-Kurs zur Auffrischung. Mittlerweile werde dort auch mit dem Defibrillator geübt.

Die Heuberghalle war eine der ersten Sporthallen, die der Werra-Meißner-Kreis in den vergangenen zwei Jahren mit Defibrillatoren ausgestattet hat (lesen Sie dazu auch den Hintergrund-Kasten). „Ein sinnvolles Gerät, das zu der Grundausstattung einer Turnhalle gehören muss“, sagten die Eschweger Polizisten und ermutigen jeden, keine Angst zu haben, einen Defibrillator im Notfall anzuwenden.

Der verunglückte 55-Jährige hat einige Tage auf der Intensivstation verbracht. Noch in dieser Woche wird er voraussichtlich das Klinikum verlassen. Schmerzhaft sind die gebrochenen Rippen, die er von der Herzmassage davongetragen hat. Im Vergleich zu seinem Leben ein kleiner Preis, den er gezahlt hat.

Von Tobias Stück

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